Stille Zeichen

Vorgestern hatte ich einen Traum, kurz vor dem Aufwachen. Es war einer dieser symbolischen Geschichten, in denen ich mich selbst sah.

Enttäuscht rannte ich von einem Mann zum anderen, der mich trösten sollte, um ihn dann kurz darauf wieder zu verlassen. Grund dafür waren Geschichten, in die ich gedanklich versponnen war und die gar nicht stattgefunden hatten.

Überrascht und verwundert beobachteten mich die Männer und auch andere Freunde regungslos aus der Ferne. Schließlich blieb ich allein mit meinen Tränen und gab mich meinem Trauertal hin.

Luzid

Irgendwie bin ich dann im Traum geistig aufgewacht und sah die ganze Szene im Überblick.

Alles selbstgemacht. ALLES. Ich schämte mich für meine Dummheit und die ungerechten Anschuldigungen, doch ich wusste mir keinen Rat.

Die einzige Klarheit, die mich beim richtigen Aufwachen überkam, war, dass ich diesen negativen Gedanken, die mich immer wieder weglaufen ließen nicht trauen kann. Doch sie hatten meinen Verstand dermaßen vernebelt, dass ich einzig und allein froh war sie endlich los zu sein. Ich wollte gar keinen Ersatz, keine anderen Ideen in meinem Kopf.

Ein guter Start

Eine ganze Weile lang genoss ich die strahlend helle Leere in meinem Verstand, doch dann begann es wieder zu denken. Gerade noch rechtzeitig gelang es mir es auf schöne, wunderbare Dinge zu lenken. Gottseidank war mein Hirn noch müde und lahm von einer teils durchwachten Vollmondnacht.

Schon seit einiger Zeit war es genau das Thema „selbstgemachte Spinnereien“ in zwischenmenschlichen Beziehungen, das mir von anderen gezeigt wurde. In meiner Kindheit konnte ich es gut an meiner Großmutter und anderen beobachten. Und ich wusste, dass auch ich diese Gewohnheit übernommen hatte – undurchschaubar für meinen Verstand. Doch noch viel stärker wahrnehmbar war an diesem Tag die Entschlossenheit mit diesem elenden Unsinn endlich aufzuhören. Jetzt sofort.

Der zweite Schritt

Logischerweise kann ich auch nicht mehr länger zusehen, wenn jemand in meiner unmittelbaren Umgebung spinnt. Kurz vielleicht – soviel Nachsicht muss sein. Trotzdem ist es etwas, das ich nicht weiter als Zuschauer erdulden möchte, sondern möchte etwas unternehmen.

Doch dagegen ankämpfen geht nicht, denn alles was man bekämpft macht man stärker oder größer. Man muss weiter denken und ein positives, tolles Zielbild dieses Menschen finden. Die Freude am Gestalten und daran auf etwas hin zu arbeiten. Dann verschwinden diese Kränkungen oder Ärgernisse aus dem Fokus und werden plötzlich klitzeklein. Ignoriert man sie noch ein wenig länger, dann lösen sie sich unmerklich in Luft auf.

Vom richtigen Wünschen

Ein solches Ziel oder einen schönen Wunsch zu finden ist keine Kopfsache. Auch sie kommen aus dem Bauch oder aus dem Herzen, je nachdem was jemand besser wahrnimmt. Sie werden in jedem Fall von tollen Gefühlen begleitet, die Aufschwung geben und Motivation, oft sogar Inspiration.

So gehen wir vorwärts ohne vor etwas wegzulaufen oder gar angetrieben zu werden. Kein Druck, kein Stress, keine Sorge und schon gar keine Angst liegen unserem Bewegungsdrang zugrunde, sondern die schiere Vorfreude auf tolle neue Ereignisse und die kreative Schöpferkraft.

Entspanntes Nichtstun

Noch ein eindrückliches Erlebnis machte mich vor Kurzem auf ein weiteres Grundprinzip der Lebensgestaltung aufmerksam. Unterwegs als Tourist in einer fremden Stadt sah ich glücklicherweise gleich einen Parkplatz direkt an der Uferpromenade. Doch da stand eine junge Frau, die ihn für eine Freundin reservieren wollte.

Ich spürte in mich hinein, befand, dass der Parkplatz für mich stimmig war und ließ es auf ein Kräftemessen in Sachen Hartnäckigkeit ankommen. Die Dame argumentierte mitleiderregend mit einem Baby; Schlagfertig konterte ich , dass sie bestimmt einen besseren Parkplatz im Schatten finden würde.

Im Rückspiegel merkte ich schon ein Auto hinter mir, dem ich den Weg blockierte. Doch ich war bereits halb eingefahren und wollte nichts anderes tun als abwarten, dass die Frau den Parkplatz frei macht.

Entspannt lehnte ich mich in meinen Sitz zurück und mein Blick schweifte zur Ablenkung auf die sonnige Uferpromenade, wo bereits Spaziergänger die wunderbare Ambience genossen.

Unverhofft kommt oft

Nach einer gefühlten Ewigkeit hupte es hinter mir nachdrücklich und die junge Dame vor mir sprang endlich schimpfend zur Seite.

Als ich in den Parkplatz einfuhr, sah ich hinter mir ein Polizeiauto vorbei fahren – mein Freund und Helfer 😉

Auch diese Geschichte verstehe ich sehr symbolisch für das Thema zwischenmenschliche Beziehungen, das mich gerade sehr beschäftigt. Der Ratschlag meines Unterbewusstseins lautet einfach: „an deiner Vision dran bleiben und entspannt abwarten.“, was zugegeben nicht immer einfach ist.

Zwey Seelen wohnen ach! in meiner Brust

Dieses Goethe Zitat ist vielleicht etwas grob formuliert, denn tatsächlich streitet meist der Kopf ( Vernunft) mit dem Herzen ( Seele). Er lässt sich stressen, bekommt Angst vor Strafe oder lässt schlechtes Gewissen auftauchen – das Herz nicht.

Das Bauchgefühl, die Intuition oder der Herzenswunsch jedoch fühlen sich eher wie ein Ziehen an, wie freudige Erwartung und stilles Vertrauen. Oft sehr leise, beinahe unmerkbar rät es in absoluter Entspannung wie ein Surfer die perfekte Welle abzuwarten, um erst zum richtigen Zeitpunkt mit voller Kraft loszulegen.


ALOHA – Susanna

Post Author: Susanna

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.