Mandela-Effekt oder Schrödingers Katze?

Lässt uns das Gedächtnis manchmal im Stich oder verändern wir die Wirklichkeit?

Unlängst saß ich mit meiner Mutter am Küchentisch und wir plauderten über alte Zeiten. Natürlich passiert es bei solchen Gesprächen immer wieder, dass man sich ein wenig unterschiedlich an Situationen oder Leute erinnert. Diesmal schien meine Mutter sich aber an etliche unangenehme Umstände und Gegebenheiten überhaupt nicht mehr erinnern zu können.

Das gab mir für ein paar Tage Rätsel auf, schließlich befürchtet man bei älteren Leuten immer Anzeichen von Demenz. Doch dann fielen mir noch eine Reihe anderer Personen ein, mit denen ich auch in Gesprächen abweichende Erinnerungen feststellte. Bis zu einem gewissen Grad kennt das wohl jeder, nicht wahr? Besonders im Streit tauchen diese verschiedenen Realitätswahrnehmungen häufig auf …

Zweifel am eigenen Gedächtnis

Wir alle haben es schon mal erlebt: man könnte schwören, etwas war vorher noch verschwunden und liegt plötzlich mitten am Tisch oder man hat etwas gelesen und beim zweiten Mal hinsehen, steht dort etwas völlig anderes.

Oft scheinen Erinnerungen verschiedener Leute voneinander stark abzuweichen: Also man erinnert sich an einen Ausflug bei schönem Wetter und die Schwester meint, es regnete damals Hunde und Katzen. Oder ein Lehrer in der Schule war sehr nett, aber die ehemaligen Schulkollegen können sich an nichts Gutes über ihn erinnern. Das kann man ja noch einigermaßen rational erklären.

Und dann gibt es da noch die Ereignisse oder Dinge, die man irgendwo nachlesen kann und man unvermutet fest stellt, dass sie scheinbar doch ganz anders waren als im eigenen Gedächtnis.

Der Mandela-Effekt

Wir leben in einer Wissenschafts-orientierten Welt, wo objektive Fakten allgemeingültig für alle festgestellt werden. Umso überraschender dann das Phänomen, dass sich Menschen unterschiedliche Geschichten über die Vergangenheit einer Gesellschaft erzählen. Selbst an harte Fakten erinnern sich Leute unterschiedlich, sogar eine große Gruppe von Menschen scheinen die gleiche, „falsche Erinnerung“ zu teilen.

So konnten sich sehr viele Südafrikaner daran erinnern, dass Nelson Mandela in den 1980ern im Gefängnis verstorben war, was die Autorin Fiona Broome zu dem eingängigen Begriff „Mandela-Effekt“ verleitete. ( Anm.: Nelson Mandela ist ja nicht in den 80ern verstorben, sondern wurde später freigelassen und Präsident von Südafrika).

Falsche Erinnerung oder Schrödingers Katze?

In Wikipedia liest man nach, dass es sich bei diesem Phänomen um eine Manipulation des Gedächtnisses handeln muss. Es mag allerdings noch andere Erklärungen geben, wie Falschmeldungen oder Verwechslungen, vielleicht sogar Missverständnisse. Das entspricht unserer landläufigen Logik, doch seit dem Aufkommen der Quantenphysik vor etwa 100 Jahren zeigen Wissenschaftler ( darunter auch Einstein) und Mystiker noch eine ganz andere Möglichkeit auf: die der individuellen und veränderbaren Realität und Wahrheit.

In Anlehnung an Schrödingers Gedankenexperiment, wo eine Katze in einer Versuchsanordnung einem Gift ausgesetzt wird, scheint es unentscheidbar ob die Katze noch am Leben ist oder nicht. Daraus folgerte der Physiker einen dritten Zustand der Wahrheit, nämlich das „Möglicherweise“ als Superzustand, bei dem dann nur der Beobachter entscheidet, was passiert – also individuell verschieden. Das ist wirklich recht schwer zu begreifen, denn uns wurde seit jeher eingetrichtert, dass es eine faktisch objektive Wahrheit und Realität gäbe. Diesem theoretischen Experiment zufolge ( „Schrödingers Katze“) aber doch nicht, was ja eigentlich alles, das wir zu wissen glauben in Frage stellt.

Neugeist Interpretation

Besonders die Neugeist-Bewegung, eine spirituelle Philosophie hat diese Denke integriert, wonach der Verstand und vor allem die Emotionen unsere Wirklichkeit erschaffen und jederzeit verändern können. Es seien vielmehr Bewusstseinszustände, die maßgeblich entscheidend seien für die Sicht auf die Dinge und sowohl Zukunft, Gegenwart als auch Vergangenheit formbar.

Diese Sichtweise macht Angst, denn wir verlassen uns nur allzu gerne auf das was wir sicher wissen und was von Bestand ist. Gleichzeitig eröffnet diese Formbarkeit des Lebens auch sehr viele neue Möglichkeiten und würde auch den oben genannten Mandela-Effekt ersetzten. Nicht unsere Gedächtnis wäre demnach fehlerhaft, sondern unsere Fakten subjektiv und flexibel.

Bewusstseinsforschung

Wer jetzt neugierig geworden ist, dem schlage ich folgenden Gedankengang vor: jeder kennt das Phänomen, dass wir abhängig von Stimmungen Situationen unterschiedlich bewerten. Was in einer niedergeschlagenen Gemütslage als schweres Problem eingestuft wird, ist mit guter Laune eine Lappalie oder ein kleiner Umweg. Diese Erfahrung hat wohl jeder schon gemacht.

In einer tollen Stimmung erscheint die Zukunft und Gegenwart relativ gut – mit überschaubaren Herausforderungen, falls man nicht sogar in einer Überflieger-laune gelandet ist und alles zum Klacks wird. Nun ist es auch interessant zurück zu blicken auf Familie und Karriere, und man wird feststellen, dass die Dinge gar nicht so schlecht gelaufen sind. Es fallen einem überwiegend positive und sinnvolle Schicksalswendungen und Ereignisse ein.

Du bist Herr deiner Stimmung!

Sobald wir gelernt haben, wie wir selbst unsere Stimmung und Emotionen steuern, wird uns auch bewusst, dass wir dementsprechende Ereignisse herbei führen. Die Situationen und die Handlungen der Mitmenschen, die wir erleben sind also vielmehr Ausdruck dessen, was sich in unserem Inneren geistig und emotional gerade abspielt. Dazu gehören eben auch Glaubenssätze und mentale Gewohnheiten, die sicherlich hartnäckiger und langwieriger zu ändern sind. Grundlegender aber sind unsere Herzenswünsche und Vorstellungen von einem guten Leben, die wir als Ideen und Konzepte übernommen haben, manchmal auch aus eigener Erfahrung, häufiger aber noch von anderen.

Diese großen, schönen Visionen gilt es zu finden und sie emotional zu spüren, damit sie sich auch in Situationen und Zwischenmenschlichem in der Lebensgeschichte zeigen. Oft mit viel Zeitverzögerung, aber auch manchmal ganz schnell.

Und wenn es mal mit der guten Laune nicht so klappen will, dann kann man ja auch einfach mal getrost im Bett bleiben und es sich gut gehen lassen 😉


ALOHA Susanna

Post Author: Susanna

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