Grenzen sprengen …

Erst gestern war ich in einer Situation, die ich wieder als übergriffig empfunden habe. Nämlich als ein ganz lieber Freund mir erklären wollte, was ich falsch mache und was ich eigentlich tun sollte – in aller Länge.

Das sind genau die Momente, die mich traurig machen, beinahe deprimieren, weil ich mir von Freunden etwas anderes erhoffe.

Andererseits ist das sein Kaffee und geht mich überhaupt nichts an, trotzdem verleiht es einer Freundschaft einen bitteren Beigeschmack. Denn man distanziert sich natürlich und obwohl man weiß, dass alle Ratschläge gut gemeint sind, möchte man nicht auf diese Art miteinander sprechen.

Abgrenzen oder nicht?

Es gibt da eine unsichtbare Grenze zwischen Vorschlägen und Ideen, und dem Besserwissen für andere. Eine feine Linie, ab der es unangenehm wird und die wir meist nur merken, wenn der andere sie übertritt. Besonders im Familienkreis oder bei Freunden, die nur das Beste für einen wollen, wird sie häufig ignoriert und oft gar nicht mehr wahrgenommen. Denn der Zweck heiligt ja die Mittel – angeblich.

Ich habe für mich gemerkt, dass ich mich in solchen Situationen zurückziehe und beinahe in die Defensive gehe. Im Extremfall fahre ich meine Mauer hoch und blocke dann alles ab, was von der betreffenden Person kommt, weil es mir einfach zu viel wird und ich gar nicht mehr weiß, was sagen.

Nützen statt ärgern

Das für den anderen etwas wollen, was ihm gar nicht entspricht, kennen wir aber auch selbst von uns in den verschiedensten Konstellationen. Und es tut meist ein wenig weh oder hat zumindest den Anstrich von Wehmut. „Wenn er doch nur …“ oder „Er sollte doch …“ oder gar „Das beste für ihn wäre …“.

STOP! Und gleich spiegeln!

Denn was wir in einen anderen hinein projizieren, hat doch viel mehr mit uns selbst zu tun. Es bietet uns eine Gelegenheit, uns selbst wieder zu sehen und eine kleine Kurskorrektur vorzunehmen. Auch wenn das manchmal einiger Kontemplation und Innenschau bedarf.

Kuddelmuddel

Ein wenig verwirrend ist es doch, dass wir für diese Trennung von Angelegenheiten das Wort „abgrenzen“ verwenden. Denn einerseits wollen wir uns ja gar nicht distanzieren vom anderen, sondern nur von seinen Worten und Taten. Und andererseits wissen wir ja, dass alles miteinander verwoben ist und es keine scharfen Trennlinien gibt. Also selbst, dass sich jemand in meine Angelegenheiten mischt, spiegelt mir auch deutlich, wie ich mich in die Angelegenheiten anderer mische 😉

Das was am Ende des Tages tatsächlich unangenehm oder traurig ist, ist ja dass ich mich der Person gegenüber verschließe, also weniger liebe, weniger offen und frei bin. Oder dass ich mich auf seine Schwächen fokussiere, anstatt auf seine unendlichen Stärken und Qualitäten. Denn ich gebe dem anderen die Schuld an meiner emotionalen Haltung, als ob er mir gar keine andere Wahl gelassen hätte ….

Es gibt keine Grenzen“

Das zweite Hunaprinzip KALA erklärt gleich alle Grenzen zu Illusion, was gerade im Zwischenmenschlichen nicht leicht verständlich ist.

ICH bin DU. Das klingt ja theoretisch ganz toll, doch in der Praxis, im Alltag ist das wirklich schwer zu sehen und umzusetzen.

Mit dem Spiegeln und Projizieren in den anderen hinein, ist es vielleicht noch am besten zu begreifen. Also vielleicht sollten wir uns in übergriffigen Situationen nicht abgrenzen, sondern vielmehr Kompetenzbereiche definieren. Also: „Das kannst du machen, das ist deine Angelegenheit – und das kann ich machen, das ist meine Angelegenheit.“ So eine Art Job-Verteilung eben, ohne Boss 😉

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Franz von Assisi

Damit erkennen wir bei uns selbst noch Möglichkeiten und Potentiale, nämlich wenn wir uns mit unserem eigenen Leben und mit unseren eigenen Erkenntnissen mehr beschäftigen. In der Tiefe, natürlich. Dort wo alles zusammenkommt, wo wir miteinander verbunden sind und alle Weisheit schlummert.

Dort ganz im Innen begrenzt uns auch nicht mehr unser Verstand mit angeblichen Grenzen, oder Unmöglichkeits-Aussagen. Dort liegt die unendliche, brodelnde Kraft das Leben zu gestalten und voran zu bringen. Die Ruhe der Verbundenheit mit allem und jedem und der Rückhalt, den wir brauchen um allen Situationen gewachsen zu sein.

Kopf ruhigen

Erst wenn der Verstand uns nicht mehr ablenkt, werden wir dieser Urkraft gewahr, die uns trägt und handeln lässt. Manche nennen sie Bewusstsein oder Seele, vielleicht auch Liebe oder Gott oder ganz etwas anderes.

Sie ist es allerdings, die entscheidet, gestaltet und uns agieren lässt – nicht der Verstand. Er erklärt sich nämlich nur die Handlungen und versucht dann mit unglaublich vielen Worten das Warum und Weshalb zu beschreiben. Schlimmer noch, meint er die Zukunft gestalten zu können, oder gar uns vor möglichen Unheil zu beschützen. Dabei ist er es ja selbst, der oft wunderbare Ereignisse so tituliert und sie abwertet.

Richtige Position

Der Verstand gehört wie ein wildes Pferd gezähmt und in eine konstruktive, positive Richtung gelenkt und vor allem: unterworfen. Denn er ist nicht der Beherrscher unsere Lebens, sondern nur ein kleines Werkzeug. Wenn man ihn abschaltet, dann merkt man das wieder ganz deutlich.


su
Alles Liebe, Susanna

Hier noch das Gelassenheitsgebet in voller Länge in meiner, modernen Version 😉

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Einen Tag nach dem anderen zu leben,

einen Moment nach dem anderen zu genießen.
Herausforderung als einen Weg zum Frieden zu akzeptieren,
sie anzunehmen, wie Jesus es tat:
diese verrückte Welt, wie sie ist,
und nicht, wie ich sie gern hätte,
zu vertrauen, dass Du alles richtig machst,
wenn ich mich Deinem Willen bedingungslos ausliefere,
sodass ich in diesem Leben einfach glücklich sein möge
und mit dem Leben des Nächsten überglücklich.
Amen.

Post Author: Susanna

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