Unzufrieden im Beruf? Daran könnte es liegen …

Wir alle kennen die Sparmassnahmen und das wachsende Arbeitspensum vieler Berufsfelder, die sich zunehmend mehr Stress ausgesetzt sehen. Da sind zum einen Jobs in der Gesundheits- und Pflegebranche, den Gastronomiebetrieben, im Verkauf und ähnlichen, traditionellen Bereichen.

Ganz klar, dass sich dort Leute ausgebrannt und überfordert fühlen, zumal seit einigen Jahren auch administrative Arbeiten zur Qualitätssicherung hinzu gekommen sind.

Für ihren Stress hat jeder Verständnis. Diese Leute werden ernst genommen, wenn sie jammern. Und es ist sicher kein Honigschlecken in diesen Berufen zu arbeiten.

Da war aber noch etwas …

Aber da gibt es seit einigen Jahren ein stark wachsendes Phänomen, das der Anthropologe Prof. David Graeber in seinem Buch „Bullshit Jobs“ beschreibt. Es gibt eine grosse Zahl an teils sinnlosen Jobs, wo entweder zu wenig Beschäftigung vorhanden ist, oder die Arbeitsproduktion kaum verwendet wird.

Man kann sich das im ersten Moment gar nicht vorstellen, in Zeiten von Sparpaketen, Rationalisierungen und Massenentlassungen. Doch Studien zeigten auf, dass es sich tatsächlich um ein sehr weitverbreitetes, verdecktes Phänomen handelt.

Interessant daran ist auch, dass es häufig Hochqualifizierte und Kaderleute betrifft, und natürlich etliche Prestigejobs. Auf gut Deutsch: so viele Manager und Spezialisten braucht es doch gar nicht, die machen ja fast eh nichts. ( In diesem Fall kann man dem Volksmund wieder einmal recht geben.)

Beispiele von Betroffenen ( aus meinen Kontakten)
  • Schulinspektorin: Nach einigen Jahren ist klar, dass jede Schulinspektion ein kleines Theaterstück für den Inspektor darstellt. Auch neue Lehrer merken das nach einigen Jahren und spielen brav ihre Rollen mit nach Lehrbuch zu unterrichten. Viele Lehrer haben allerdings ein ähnliches Gefühl in ihrem Schulalltag, wenn sie versuchen dem Lehrplan zu folgen.
  • Inkassomitarbeiterin: Obwohl im Job alles stimmt, also Lohn, Arbeitszeiten, Wegzeiten usw., sitzt die junge Dame etwa sechzig Prozent der Zeit ohne Aufgaben herum. Sie hat schon alles versucht und beschäftigt sich meist mit Socialmedia und Shoppen im Internet. Nach einem Jahr kündigt sie, um für den halben Lohn anderswo zu arbeiten.
  • Business-Strategist: Voller innovativer Ideen und mit viel Einsatz liefert der junge Wirtschaftler zwei Jahre lang haufenweise Konzepte ab, die allesamt im Müll landen. Die Geschäftsleitung hat andere Pläne, in die er nicht eingeweiht wird. Aber es klingt nach Aussen hin gut einen eigenen Akademiker an dieser Position sitzen zu haben.
  • Informatik-Systementwickler: Neue Projekte werden begonnen, völlig abgeändert, anderweitig vergeben oder einfach wieder eingestampft. Das ist an der Tagesordnung und damit muss man einfach leben. Besonders frustrierend sind allerdings Projekte, die von vornherein offensichtlich zum Scheitern verurteilt sind. Aber bevor die Leute untätig herum sitzen und auf den neuen Auftrag warten …
  • Marketing: Abgesehen von monotonen Büro-Tätigkeiten, die jeder der wichtigen Herren eigentlich schneller hätte selbst erledigen können, bekommt unsere junge Marketingfachfrau seit Jahren nichts anderes zu tun. Die Kollegen haben Freude daran, sie in der Hierarchie unter sich zu wissen, und versorgen sie reichlich mit Handlangerdiensten.
  • Arbeitslosenamt: Der hauptsächliche Fokus des neuen Quereinsteigers ist nach Leistungsbetrug Ausschau zu halten. Obwohl sein Job eigentlich aus Beratung und Vermittlung bestehen sollte, wird er fortwährend dazu aufgefordert die Augen offen zu halten und nicht alles zu glauben. Lieber auf Papiernachweise zu bauen, und so viel wie möglich davon einzufordern um Betrügern das Handwerk zu legen.

Die Liste der Beispiele könne man jetzt unendlich ausweiten, vor allem in Administration und Qualitätssicherung, aber auch im Bereich neue Medien und interner Fachberatung häufen sich die Fälle für solche sinnbefreiten Jobs.

Die Betroffenen werden immer mehr

Im Angestellten-Dienstleistungssektor sollen sich die Zahlen in Amerika bereits auf dreissig Prozent hochgeschraubt haben. Man redet dort also gar nicht mehr von Einzelfällen, sondern vielmehr von einem riesigen Problem für Angestellte, aber auch für gesamte Firmen.

Warum?

Es klingt vielleicht ganz attraktiv, dass jemand für wenig oder Nichtstun bezahlt wird, aber es hat drei ganz wesentlich Haken. Erstens will jeder von uns ein wenig stolz, oder zumindest zufrieden sein mit seiner Arbeit. Schliesslich identifiziert man sich damit und es ist häufig Gesprächsthema. Zweitens verlieren BS-Jobber ihre Motivation sehr schnell und machen dadurch ihre Arbeit erst recht schlampig, spät oder sehr fehlerhaft. In vielen Fällen werden sie dadurch erst recht gestresst und scheinen ihre Aufgaben nicht richtig erledigen zu können. ( klingelt jetzt etwas bei dir? Ich hatte bei dieser Info einen grossen Aha-Moment)

Drittens: Hat man in einem Betrieb etwa zehn Prozent solcher BS-Jobber, dann reicht das völlig aus um die ganze Firmenkultur zu versauen. Wie der berühmte faule Apfel stecken sie mit ihrem Missmut an, übertönen mit ihrem Jammern und finden ganz viele Fehler – überall.

Tipp: mach mal Biographie-Arbeit

Es lohnt sich wirklich einmal zurück zu sehen und alle früheren Jobs einmal auf dieses Sinn-Kriterium hin zu prüfen.

Wo haben wir tatsächlich einen Beitrag leisten können jemandem zu helfen oder eine bessere Welt zu gestalten?

Sollte eine Stelle nicht überwiegen so gewesen sein, dann ist es logisch, dass uns diese Sinnbefreiung wahrscheinlich frustriert und negativ gemacht hat.

Denn es ist ein Bedürfnis von uns Menschen etwas Wertvolles beizutragen, mitzugestalten oder andere wirklich unterstützen zu können.

Daher würde es jedem gut tun die Unzufriedenheit mit einer früheren Tätigkeit ganz neu zu analysieren und weder Kollegen noch Chef verantwortlich zu machen. Sondern vielmehr die eigenen Wünsche, die eigene Ethik und die eigenen Bedürfnisse als Bewertungskriterien einzusetzen.

Ich denke, dass auch das vermehrte Bedürfnis nach Anerkennung genau daher stammt, dass wir häufig mit unseren Tätigkeiten gar nicht mehr glücklich sind. Vielmehr haben wir schlechtes Gewissen, fühlen uns lustlos oder gar ungenügend, weil wir nicht genügend Sinn für die Gesellschaft in unserer Arbeit sehen. Also soll bitte der Chef doch bestätigen, dass wir okay sind und alles richtig machen …

Unsere Arbeitswelt wird sich in Zukunft radikal verändern müssen, davon gehen viele Zukunfts-Forscher aus. Wahrscheinlich können wir uns das heute noch gar nicht vorstellen, aber mit Sicherheit wird es besser werden, vor allem psychisch. Denn gerade in seelischer oder ganzheitlicher Hinsicht haben wir derzeit grosse Probleme, die sich als Burnout, Mobbing und in Missbrauch vermehrt zeigen.

Das können wir nicht weiter mittragen und vor allem unseren Kindern nicht mehr antun.


Mut zur Wahrheit,

Susanna

Post Author: Susanna

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