Susanna BELLONI

Narzisst, Narzissmus – was ist das?

Natürlich gibt es eine medizinische Erklärung, doch wir brauchen eine einfach verständliche Definition um Narzissten zu beschreiben:

Ein Narzisst manipuliert und kontrolliert sein Umfeld mit verschiedenen Taktiken. Diese sind meist ungesund, dass heisst die anderen fühlen sich mies, klein und unsicher. Sie fühlen sie sich ausgelaugt, können aber meist diese narzisstsche Person nicht einfach verlassen, sondern fühlen sich abhängig von ihr oder für sie verantwortlich. Manchmal versuchen sie auch die Anerkennung des Narzissten zu erreichen, als ob sie dadurch wieder zu Kraft und Klarheit kommen könnten.

Der Narzisst erscheint einigen Leuten bewundernswert und anderen wiederum abstossend. Er stellt sich gerne als Held dar und seine Leistungen als Geniestreiche, sieht man aber genauer hin, sind seine Worte und Taten häufig illegal, unmoralisch oder herzlos.

Er zeigt die folgenden drei klassischen Eigenschaften:

Negativität / häufige Unzufriedenheit

Die allgemeinste und treffendste Eigenschaft ist seine andauernde Kritik und Anklage. Denn der Narzisst ist ein unglücklicher Mensch, der scheinbar hilflos seiner Situation ausgeliefert ist. So erscheint er zumindest seinem Reden nach, doch aus einiger Distanz erkennt man, wie er mit seinem Drama alle Aufmerksamkeit gewinnt. Dadurch dreht sich alles um ihn und er bringt auch andere dazu sich um seine angeblichen Probleme zu kümmern. In extremen Zeiten steht er kurz vor der Resignation, der Selbstaufgabe oder droht gar mit Selbstmord.

Kontrolle durch Drohung

Wenn andere nicht machen, was er will, dann passiert etwas. Entweder flippt er aus, fällt in deine Depression oder tut sich gar etwas an. Es gibt auch solche, die sich völlig zurück ziehen und mit Isolation strafen, und dadurch die Kontrolle behalten. In jedem Fall ist er sehr hartnäckig seinen Willen durch zu setzten, das ist seine Art die Macht zu behalten. Und er verteilt gerne ( versteckte) Strafen, schliesslich sieht er es als seine Aufgabe an, die anderen zu kritisieren und zu massregeln.

Schuldzuweisungen / Abgabe der Eigenverantwortung

Meist verlangt er aber von anderen etwas zu tun, damit es IHM besser geht. Häufig übernehmen dabei auch Freunde und Familie unbewusst Verantwortung für sein Wohlergehen, also erschafft er manchmal einen kleinen Mob dadurch.

Egal ob Mitleid, Rücksicht oder Angst dich motivieren sollen, du bist mit Druck gefordert zu tun, was er will, auch wenn es manchmal völlig unsinnig erscheint.

Ganz typisch für Narzissten sind auch noch die folgenden Ausprägungen:

  • was andere von ihm denken ist wichtig: Selbstdarstellung und Image-Kontrolle
  • sich durchsetzten mit unfairen Mittel, Unsachlichkeit, Hartnäckigkeit.
  • Argumente für seinen Kampf: Opferrolle, Schuldzuweisung, Unfairness
  • er bekommt Unterstützung von anderen, startet sogar Mobbing
  • Gezieltes Ausnützen von Schwächen anderer, wie Unsicherheiten, schlechtem Gewissen und Ängsten.
  • Drama-Queen: er schafft es aus einer Mücke einen Elefanten zu machen und umgekehrt seine eigenen Fehler völlig herunter zu spielen
  • allein ist er wie nicht überlebensfähig, er braucht ständig andere
-> Krankhaft ist, wenn emotionaler Missbrauch zur Sucht wird

Genau diese Strategie andere schlecht fühlen zu lassen, ist seine Macht. Er schürt bei anderen Ängste, schlechtes Gewissen und Mitleid. Denn dadurch bringt er sie dazu, entweder etwas zu tun, das er will oder sich hilflos und klein neben ihm zu fühlen. Beides gibt ihm ein Gefühl der Macht und Überlegenheit, das allerdings nicht lange anhält und ständig neu gefunden werden muss. Genau dadurch kommt er in eine Art Sucht-Spirale, wo er immer mehr andere missbrauchen muss, um sich gut fühlen zu können. Sein Verhalten wird also immer intensiver und steigert sich wie beim Konsum einer Droge.

Nur, dass andere Menschen und ihre Energie konsumiert werden, deshalb spricht man auch häufig von Energie-Vampir.


Typen von Narzissten

Es gibt unterschiedliche Einteilungen, da der Narzisst ein Manipulator ist, kann man die 4 Macht-strategien nach C.G. Jung hernehmen:

  1. Wut & Aggression
  2. Mitleid
  3. Rückzug
  4. Inquisition ( das ist wohl die seltenste Form)

Narzissten benutzen häufig alle 4 Strategien abwechselnd, allerdings ist meist eine sehr dominant.

Wahrscheinlich hat sie jeder schon einmal unbewusst angewendet oder sich sogar angewöhnt. Deshalb stellen sich viele die Frage, ob sie nicht auch schon krankhaftes Verhalten zeigen und sind dem Narzissten gegenüber nicht mehr so streng. Dabei handeln sie allerdings meist aus schlechtem Gewissen und nicht aus Freude oder Kreativität.

Um zu verstehen womit man es eigentlich zu tun hat, ist es manchmal ganz hilfreich dem Phänomen einen originellen Namen zu geben:

Der Aggro-Narzisst ( Rumpelstilzchen & böse Königin) 

Er ist wohl die häufigste und offensichtlichste Form des Narzissmus. Gewaltandrohungen, Schreikonzerte und Wutausbrüche stehen an der Tagesordnung und das Umfeld reagiert häufig mit schierer Angst. Er ist ganz offensichtlich cholerisch und macht Psychoterror.

Der Mitleids-Narzisst ( Jammerlappen & Lemming) 

Er ist viel schwieriger zu durchschauen, weil Mitleid gesellschaftsfähig ist. Mit anderen Worten: Mitleid ist eine Tugend und uns wird ständig vermittelt, dass wir Mitleid haben sollen. Dieser Typ von Narzisst wird häufig als depressiv eingestuft und tatsächlich hat er noch weniger Lebensqualität als der Aggro-Narzisst, weil er passiver und hilfloser ist. Man eher Angst UM ihn als VOR ihm, denn man macht sich Sorgen, dass er in seiner Verzweiflung vielleicht etwas Dummes tut.

Der Rückzugs-Narzisst ( Trotzkopf & Frankenstein)

 Er verschwindet für lange Zeit in sich selber oder in seinen Räumlichkeiten, wenn ihm etwas nicht passt. Dabei erscheint er krankhaft verschlossen, sodass sich jeder um ihn zu bemühen beginnt. Seine Taktik ist leise und unauffällig, aber um so wirksamer, weil niemand sie richtig versteht. Er selber auch nicht. Trotzdem kommt der Rückzugs-Narzisst im Vergleich zu den anderen Typen noch am besten selbstständig mit dem Leben klar. Doch sein Umfeld kann nur sehr schwer verstehen und in Worten ausdrücken, was eigentlich los ist.

Der Inquisitions-Narzisst ( Kontroll-Beamter & Aufdecker)

Er fragt, fragt und fragt, als ob er alles wissen möchte, dabei scheint er nur Fehler oder Schwächen finden zu wollen. Seine Fragen scheinen endlos und er drängt alle damit in die Rechtfertigung. Mit seinem Druck lässt sich nur schwer umgehen, vor allem weil der Narzisst so rational und vernünftig erscheint. Dabei merkt man erst aus einiger Distanz wie emotional und boshaft seine Fragemethode eigentlich ist, denn er sucht ständig das Haar in der Suppe oder einen Schwachpunkt.

Dieser Typ Narzisst ist am schwierigsten zu identifizieren und Laien zu erklären, er ist zu gut getarnt unter dem Deckmantel des Aufdeckers von Mängeln. Doch seine Ursachenforschung dient in Wirklichkeit nur dem Zweck der emotionalen Kontrolle der anderen, die sich unter seinen Fragen unterlegen und mangelhaft fühlen.

 


 

4 Gedanken über “Narzisst, Narzissmus – was ist das?

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  2. sensor

    Liebe Susanna, mich hat gerade ein Satz von dir irritiert und ich wüsste gerne von dir, wo der Unterschied zwischen Narzissten und Empathen liegt, wenn du sagst (was ja auch stimmt): Durch das „erweiterte Ich“ des Narzissten ist alles, was in seinem oder ihrem Umfeld passiert unmittelbar an das eigene Ich-Gefühl verknüpft. Mir fiel auf, dass das genauso beim Empathen ist der eben sich nicht vom Narzissten abgrenzen kann und dessen Projektionen als seine eigenen Macken und Gefühle annimmt sich damit identifiziert. Wo unterscheidet sich das Ganze bzw. was ist gleich? Dann kann sich der Narzisst ja scheinbar auch nicht abgrenzen oder sehe ich das falsch?

    1. Susanna Beitrags Autor

      Hallo Sensor!
      Der Unterschied zwischen Empathen und Narzissten ist eigentlich einfach: Narzissmus beschreibt ein Verhaltensmuster, während Empathen durch ihre Fähigkeit definiert werden. Trotzdem unterscheidet sich auch meist ihre grundsätzliche Haltung: der Narzisst ist fordernd und anklagend, aber Empathen sind mehr in der Wahrnehmung. Gemeinsam haben sie meist, dass beide zu sehr auf das Aussen fokussieren, also die Befreiung aus ihrer Instabilität liegt im Fokus nach Innen.

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