Schwesternliebe

Diesmal will ich mich gar nicht lange mit philosophischen Gedanken und Beobachtungen beschäftigen, sondern eine tolle Übung zeigen.

Trotzdem brauche ich dazu eine kleine, etwas theoretische Einleitung um dem Ganzen einen verständlichen Rahmen zu geben.

Spiegelgesetz

Beinahe schon ein wenig überstrapaziert, und trotzdem gültig, ist der Grundsatz, daß wir das bei anderen sehen, das wir bereits von uns selber kennen. Das ist eine sehr alte Weisheit und wurde auch durch die moderne Wissenschaft ausreichend bewiesen.

Unangenehm an diesem Prinzip ist allerdings, daß es vorrangig dann besprochen wird, wenn wir uns ärgern oder über andere beschweren. Oder wenn es unerklärliche Phänomene einzuordnen gilt, die meist auch einen negativen Touch besitzen.

Mal anders betrachtet …

Komischerweise kommt uns das gar nicht in den Sinn, wenn wir Leute erleben, die wir großartig und toll finden, doch genau dann gilt der gleiche Grundsatz. Nämlich auch da erkennen wir im anderen uns selber wieder.

Das heißt also, alles Positive und Erstrebenswerte, das ich in anderen sehe, muß auch in irgendeiner Form in mir selbst existieren, sonst könnte ich es gar nicht erfassen.

Man kann also auch das Spiegelgesetz anwenden, um nicht in Neid oder Konkurrenzkampf zu verfallen oder sich neben jemand anderen klein und ungenügend vorzukommen. Besonders in Frauenrunden passiert das leider immer wieder und wir vergleichen, anstatt uns gegenseitig zu stärken.

Was tun?

Vor vielen Jahren hatte ich einmal probiert meinen Selbstwert mit folgendem Spruch zu verbessern: „Wenn ich so tolle Freundinnen habe, kann ich doch nicht so schlecht sein.“

Mit mäßigem Erfolg. Es half ein wenig, aber war nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Also überlegte ich mir andere Übungen, die ein wenig griffiger und vor allem nachhaltiger wirken, um das Spiegelgesetz auch als Motor ins Positive zu nutzen.

Das ist nicht ganz einfach, denn unsere Kultur gibt uns vor immer etwas Negatives an jemandem zu finden, um uns selbst zu erhöhen und dadurch besser zu fühlen. Doch wer suchet, der findet ….

Das Schwesternspiel

In einer gemütlichen Runde mit Freunden oder Seminarteilnehmern, kann man eine Variante des Ho`oponopono nach Bärbel Mohr spielen. Man braucht dazu lediglich einen Redestab, Ball oder Ähnliches, damit immer ganz klar ist, wer gerade am Wort ist. Wie beim Flaschendrehen etwa.

Einer gibt den Redestab an eine beliebige andere Person weiter und macht ihr ein Kompliment mit den Worten: „Was ich an dir toll finde ist, ….“ – ergänzt mit einer Eigenschaft. Danach gesteht man sich selbst auch zu diese gleiche Eigenschaft zu besitzen. ( denn sonst hätte man sie ja gar nicht wahrgenommen!). Und sagt dazu: „Und das kenne ich auch von mir.“

Umso bedachter und ruhiger man die Worte spricht, umso wirksamer.

Danach wird der Redestab an eine andere Person weiter gegeben, mit der gleichen Prozedur. Es ist also kein direkter Austausch von Komplimenten nötig, sondern es soll spontan und ehrlich entstehen und möglichst jeder ein paar Mal dran kommen.

Vernetzung

Durch diese Art miteinander zu reden und auch über sich selbst zu sprechen, entsteht nicht nur eine wunderbare positive Stimmung unter einander. Sondern auch eine starke Verbundenheit, die keinen außen vor lässt.

Mehr noch: es ist eine tolle Übung um das eigene Denken neu zu gewöhnen, denn allzu oft machen wir uns klein neben den großartigen Leuten um uns. Dabei sind wir doch in Wahrheit Verbündete und Mitstreiter in diesem bunten Abenteuer, das wir Leben nennen. Kollaborateure.

Und gerade in unserem näheren Umfeld wollen wir doch vielmehr als Team oder Gemeinschaft wirken, und uns gegenseitig stärken und ergänzen.

Allein daheim

Natürlich ist es auch möglich, das gleiche Prinzip alleine mit sich selbst zu spielen. Dazu kann man einfach in Gedanken alle Leute durchgehen, die man gerne mag und erkennen, dass alle ihre schönen Eigenschaften auch in uns selbst vorhanden sind. Insbesondere Frauen, egal ob aus dem Freundeskreis oder aus dem öffentlichen Leben.

Wer mag, kann dazu auch Zettel und Stift nehmen und sich die Komplimente aufschreiben, die er gerne anderen machen möchte. Wichtig dabei ist sich die Zeit zu nehmen den Spiegel zu erkennen. Auch das kann manchmal eine Weile dauern, lohnt sich aber sehr. Denn im Endeffekt macht man sich selbst Komplimente und beginnt damit den eigenen Selbstwert wieder zu etablieren. Quasi als Gegenarbeit zur allgegenwärtigen Selbstkritik.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

Ein oder zweimal angewendet wird diese Methode natürlich nur kurzfristig wirken. Was wir vielmehr erreichen wollen, ist ein gewohnheitsmäßiges Anders-Denken, sodass es zu einer Haltung wird.

Der Lohn für dieses Training ist dafür unglaublich groß. Anstelle von Mitbewerbern und Gegnern werden wir nämlich vermehrt Freunde und Mitstreiter treffen, wir werden uns sicher und geborgen fühlen und durch gemeinsame Anstrengungen Wunder vollbringen.


Alles Liebe, Susanna

Post Author: Susanna

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