Wahl zwischen Begeisterung und Genervtheit

Wie schnell Mobbing entsteht und wie man daraus aussteigen kann

Meine ersten Erfahrungen in WhatsApp-Gruppen haben eigentlich nur das bestätigt, was ich von anderen darüber gehört habe. Nach einer anfänglichen Euphorie und Freude, haben einige demonstrativ die Gruppe verlassen ( passiv aggressiv) oder sie wurde zum Bashing gegen einige missbraucht.

Angesichts der Geschwindigkeit der digitalen Kommunikation war das sehr gut zu beobachten, auch weil ich mich – glücklicherweise – ein wenig raus nehmen konnte.

Schade

Das Wort „Schade“ ist dabei am meisten als Rechtfertigung benutzt worden, nämlich als Vorwurf, implizit oder direkt. Und ich finde es auch schade, dass die anfängliche Begeisterung einer Genervtheit gewichen ist. Was mich wiederum zur Reflexion gebracht hat.

Also entscheide ich mich ganz bewusst für die Begeisterung! Denn es sind meine Gefühle, mein Körper, mein Leben und meine Welt. Sie gehören mir und ich möchte sie positiv und konstruktiv haben. Gestalterisch und Abwechslungsreich. Ich möchte Täter und nicht Opfer sein, auch wenn ich dann manchmal etwas bereue oder mich entschuldigen möchte.

genervte Kultur

Scheinbar ist es in unserer Gesellschaft durchaus legitim Menschen als nervig abzustempeln und über sie zu lästern. Und ich muss zugeben, dass ich auch den Drang habe über Leute zu reden, mit denen ich nicht so gut zurecht komme, in der Hoffnung auf eine Lösung.

Leider taucht dann immer wieder die Falle auf, dass dieser andere Mensch zum Problem erklärt wird oder sein Verhalten. Werden sich mehrere Leute einig darüber, dann ist das meist der Anfang von Mobbing. Denn nicht nur direkte Gemeinheiten gehören dazu, sondern schon allein die Erklärung zum Problemkandidaten oder Sündenbock für die eigene Genervtheit reicht.

Es geht noch mehr

Nun in meiner speziellen WhatsApp-Gruppe habe ich lustigerweise erlebt, dass ich von den Genervten genervt war. Das war so eine merkwürdige Situation, dass ich Gottseidank einen AHA-Moment hatte und auf die Bremse gestiegen bin.

Denn im Prinzip wollte doch nur jeder die Freude und den Enthusiasmus in der Gruppe beibehalten und möglichst lange auskosten. Nur – sich das zu vergegenwärtigen und selbst dazu beizutragen, muss jeder für sich selbst.

Stattdessen versuchen die Admins gerade es der Mehrheit recht zu machen und die Gruppe irgendwie zu retten. Durch Ausgrenzung der angeblichen Problemmenschen natürlich.

Lösung gesucht

Ich glaube, dass Phänomene im Kleinen, so wie in meiner 40-köpfigen WhatsApp-Gruppe auch im Großen, also im Land oder gar auf der ganzen Welt ihre Parallelen haben. Egal ob man jetzt Politiker und andere Mächtige oder gar Terroristen und Extremisten zur Ursache für Missstände erklärt.

Lösungen durch Ausgrenzungen, Weggehen oder Kriege sind einfach unbefriedigend und häufig gar nicht zielführend ( siehe Brexit). Doch sie sind sowohl im Volksmund als auch in den Medien weit verbreitet, populistisch sozusagen.

Paradoxon

In meiner Studentenzeit hatten wir etliche interessante Diskussionen, darunter auch eine, die mir sehr nachdrücklich in Erinnerung geblieben ist. Ein sehr lieber und auch gescheiter Kollege meinte nämlich: „Die einzigen Leute, die ich nicht leiden kann, sind intolerante Menschen.“ ( oder so ähnlich)

In seinem Statement grenzte er selbst Leute aus, die andere ausgrenzen!

Nun, wir waren Studenten der Mathematik und Logik und haben dann versucht, unseren lieben Kollegen auf seinen eigenen Widerspruch aufmerksam zu machen. Was uns möglicherweise erst nach langer Diskussion gelang. Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht mehr genau.

Erkenntnis

Was mir jedoch heute gelang, war, mich zu distanzieren und mich daran zu erinnern, wo meine Macht wirklich liegt. Will ich mich nerven oder will ich Freude empfinden? Und mir eine strenge Grenze zwischen den beiden Optionen zu setzten, kein Mischmasch erlaubt!

Jeder darf machen, was er will und ich entscheide jetzt für mich selbst, worauf ich meine Aufmerksamkeit richte. Das ist in einer WhatsApp-Gruppe wesentlich leichter als im direkten Kontakt. Also eine tolle, leichte Übung um immer besser zu werden. Denn jedes Training muss mit kleinen Schritten und kleinen Herausforderungen starten.

Ja, aber

Das heißt auch, ich setzte mich jetzt wieder einmal auf Gedanken-Diät. Diesmal keine „Es ist schon toll, aber …“ Sätze mehr. Entweder toll, oder ich schaffe es nicht, es einem Umstand etwas Positives abzugewinnen. Meine Gedanken richte ich dann immer wieder auf das Tolle, Schöne und Bereichernde.

Denn alles ist doch für etwas gut, auch wenn ich es nicht gerade erkenne. Also wozu die Ablehnung oder Ausgrenzung? Wozu die Negativität oder das Pochen auf Probleme?

Meins, meins, meins!

Das ist nicht einfach, aber es lohnt sich. Denn es ist mein Leben und auch mein Wohlbefinden, das ich damit nähre. Denn Energie folgt der Aufmerksamkeit. Also allem, dem ich Beachtung schenke, dass stärke ich und mache es größer in meinem Erleben, also will ich doch das Positive groß machen. Und in Wirklichkeit stärke ich mich damit und meine Fähigkeit konstruktiv Erfolge zu gestalten und Dankbarkeit zu erleben.


su
Alles Liebe, Susanna

Post Author: Susanna

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.