Ich hoffe, Gott vergibt ihm

Wenn ich solche und ähnlich selbstgerechte Sprüche höre, die besonders im prüden Amerika kursieren, muss ich einfach den Kopf schütteln.

Wer glaubt denn heutzutage noch an den alten Mann mit dem weissen Bart, der in den Wolken thront und Urteile, Strafen und Belohnungen verteilt?

Da könnte man ja gleich an das Christkind, an den Weihnachtsmann oder gar an den Teufel glauben. Vom Mythos der unbefleckten Empfängnis ganz zu schweigen.

wir leben im 21. Jahrhundert `…

Ich bin ja auch katholisch aufgewachsen, aber selbst meine Lehrer haben zugeben müssen, dass diese Figuren metaphorisch zu verstehen sind. Und dann lautet ja selbst das zweite der zehn Gebote: „du sollst dir kein Bild von deinem Gott machen.“ Das heisst für mich auch gar keine konkrete Vorstellungen oder gleich den Versuch unterlassen sich irgendwie ein menschliches Bild von all diesen Figuren zu machen. Denn wenn Gott unsichtbar ist, dann hat er eben keine Form oder Farbe – ist doch logisch.

Aber zurück zum Statement, dass Gott hoffentlich vergibt. Warum sollte er denn überhaupt irgendetwas übel nehmen?

Dieses Schwarz-weiss-denken von Gutmenschen, die noch immer die Menschheit in gute und schlechte Leute unterteilen, ist dermassen unsinnig. Wenn man nur ein wenig darüber nachdenkt, dann wird der Widerspruch jedem klar.

Wir alle haben ereignisreiche Leben und erleben viele unterschiedliche Situationen, es gibt nicht die „eine Tat“, die uns lebenslang definiert und in eine Schublade zwingt.

Es wird einfach so gerne abgestempelt und stigmatisiert, um sich selbst darüber zu erheben und möglichst gut darzustellen. Doch das ist genauso verlogen, wie all die anderen Ausreden, die Menschen bewerten.

Warum sollte irgendjemand ein schlechterer Mensch sein oder ein besserer? Können wir denn in sein Inneres hineinsehen oder kennen wir alle seine Gedanken und Gefühle?

Emanzipation

Ich halte diese Art über Gott zu sprechen, wo scheinbar eine Autorität irgendwo draussen alles kontrolliert, für absolut destruktiv. Im Prinzip ist es ein Mythos, der dazu gedacht ist möglichst viele Leute möglichst klein zu halten.

Aber er funktioniert noch immer.

Jedesmal wenn etwas nicht nach Wunsch läuft, fragen wir uns nämlich: „Was hab ich jetzt schon wieder falsch gemacht? Warum werde ich schon wieder bestraft?“ 

Also dann verrate ich euch jetzt einmal eine grosse Wahrheit, die ganz leicht medial abzufragen ist.

Keiner macht je etwas falsch, sondern immer alles richtig!

Das ist einerseits erleichternd, aber auch doof – nicht wahr? Was sollten wir jetzt unserem Partner bei nächsten Streit vorwerfen, wenn doch alles seine Richtigkeit hat? 😉

Aber es wirft natürlich auch einige Fragen auf

Warum gehen dann unsere Pläne oft nicht auf oder warum gibt es so viel Elend auf der Welt? Das kann doch nicht richtig sein?

Es ist schwer das alles zu verstehen. Vielleicht eröffnen sich die Antworten auf diese Fragen auch nie oder nur nach sehr langer Suche.

Wahrscheinlich hält sich ja deshalb diese Mär von den bösen Kräften so hartnäckig. Sie gibt die einfachste Erklärung dafür, warum schreckliche Dinge passieren.

Trotzdem widerspricht sie unserem inneren Wissen, dass alles seinen Grund hat und jeder Mensch gleich viel wert.

Aber zurück zur Vergebung, die uns oft so schwer fällt.

WARUM IST VERGEBEN SO SCHWER?

Ein wesentlicher Grund, warum es uns schwer fällt zu verzeihen, ist, dass wir gewisse Taten nicht gutheissen wollen. Der gedankliche Fehler, der uns allerdings dabei unterläuft, ist dass wir die Taten untrennbar mit Leuten verknüpfen.

Also im Alltag bleiben wir oft stur in der Ablehnung gewisser Personen, anstatt nur einiger ihrer Verhalten zu missbilligen. Dabei geben wir ihnen gar nicht die Gelegenheit, sich zu verbessern oder dazu zu lernen.

Eine wirklich liebevolle Haltung, so wie sie auch grosse spirituelle Lehrer gezeigt haben, wäre dem Menschen hinter der Tat eine zweite Chance zu geben. Vielleicht auch eine Dritte oder Vierte oder eben die Hunderste.

Das bedeutet jemandem zu verzeihen. Das bedeutet aber nicht, Verfehlungen oder destruktives Verhalten zu akzeptieren, sondern vielmehr offen zu bleiben für mögliche Verbesserungen.

Vergebung bedeutet auch nicht, dass wir alles tolerieren oder hinnehmen, sondern einfach nur nicht mehr böse sind auf jemanden.

Genauso möchten wir ja auch behandelt werden. Also nicht für immer abgestempelt, wegen eines kleinen Fehltritts, sondern miteinander wachsen und lernen. Die Gelegenheit bekommen es besser zu machen.

Es liegt also an uns selbst, an unserer inneren Haltung und an unserem Reden, wie wir letztendlich zu uns selbst stehen.

Alles schon hier

Daher haben viele Religionen und spirituellen Lehren das Verzeihen als ein wesentliches Element in ihren Lehren integriert. Gerade auch die katholische Kirche, die mit der Beichte ein kleines Ritual anbietet, um sich selbst auch verzeihen zu üben. 


Alles Liebe, Susanna

Post Author: Susanna

1 thought on “Ich hoffe, Gott vergibt ihm

    ONE OF US

    (22. Januar 2019 - 0:14)

    Liebe Susanna,
    Dein Beitrag ist weisend.
    Danke dafür.
    Heute morgen blickte ich aus der Fensterfront eines Cafes und sah ein Zeuge Johova still mit seinem Buch in der Eiseskälte auf dem Dorfplatz stehen.
    Im gleichen Blickwinkel nahm ich den großen Kirchturm wahr.
    Ich fühlte Trennung.
    Warum?
    In die große Runde frage ich:
    “ Betest du mit einem Gefühl der Verbundenheit zu Höherem?“
    “Fühlst du die Anwesenheit von Liebe dabei?“
    “Fühlst du Dankbarkeit und Erleichterung?“
    “Erhältst du Annahme, Aufmerksamkeit, Zustimmung, Güte, Trost, Antworten?
    Ich kann das alles mit Freude bejahen.
    Wo fühlst du diese Anwesenheit?
    In Dir? In deinem Bewusstseinsfeld? Durch dich?
    Wir könnte das Höhere dann etwas sein, dass von dir getrennt sind ist?
    Wenn das Höhere also nicht von dir getrennt ist, wie könnte es dann von etwas/ jemand anderem getrennt sein?

    Wir vergessen dass wir alle ein Teil , ein Licht, einer Welt sind, die durch ein Licht gekommen ist.
    Nichts ausser unsere Unwissen trennt uns.
    Vielleicht gibt es nichts zu vergeben sondern nur etwas anzuschauen. Durchschauen wir die Unwissenheit die uns begegnet, ob wir es in uns oder außerhalb von uns wahrnehmen, so führt uns die Erkenntnis des Einen in Liebe genau dass zu beleuchten und anzunehmen was wir im Gebet erfahren.
    VERBUNDENHEIT
    ANWESENHEIT
    DANKBARKEIT
    ERLEICHTERUNG
    ANNAHME
    AUFMERKSAMKEIT
    ZUSTIMMUNG
    GÜTE
    TROST
    ANTWORTEN
    FREUDE

    Unsereeins
    Wenn dein Atem mein Atem zum Wohle dient.
    Wie könnte ich dann meinen Atem vergiften, wenn doch mein Atem deinem Wohle dient.
    Wir sind ein Atem.
    Atmen wir uns frei für unser aller Wohl…
    … denn was bedeutet schon ein Name wenn alle Güte durch einen wirken darf.
    So hat das Höhere alle Namen und keine Form oder alle Formen und keinen Namen.
    Wir sehnen uns alle nach diesem umarmenden Glück und sind es selbst.
    die Türen, Augen und Herzen verschließen.
    Seht wie wundervoll die Schöpfung ist.
    Du bist ein ewiges durch Formen
    ein einzigartiges Teil aus Teilen,
    die wieder und wieder ein ganzes Wunder sind. Wir sind eine schöpfende Schöpfung. Folgen wir der Freude durch uns zur Verbundenheit und zurück. ….
    LOVE
    UNO
    __ONe
    Of Us

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.