warum ich gegangen bin

Mein Beitrag zur Blogparade von Manja Kendler auf Schutzgarten.de mit ebendiesem Titel zum Thema Narzissmus und narzisstischer Missbrauch

Liebe Manja und all ihr anderen: ich bin nicht gegangen, ich bin geflüchtet.

Hals über Kopf mit einer kleinen Sporttasche in der Hand und ohne irgendeiner Idee wohin ich sollte.

Es hat sich über Monate aufgebaut, nicht der Psychoterror, nein den hatte ich einige Jahre an der Tagesordnung. Wutausbrüche, Beschuldigungen und natürlich auch etliche „Schubser“, von denen blauen Flecken zeugten.

Ich war durcheinander, missmutig und ehrlich gesagt hoffnungslos, denn ich war ja zu gar nicht nütze und bekam nichts richtig hin. Noch dazu war ich ja an allem Schuld was schief lief, und laut ihm lief allerhand schief.

Besonders, dass seine Tochter keinen Kontakt mehr zu ihm wollte, war nur auf mein Verhalten zurück zu führen, sagte er. Es lag daran, dass ich mich zurück gezogen hatte, um den beiden Zeit miteinander zu geben. 

Ich war ständig hin und her gerissen zwischen Rechtfertigungen und Resignation. Und trotzdem klebte ich in meiner Situation fest, wie in einem Fass voll mit Pech.

Monate bevor ich ging, beschäftigte ich mich heimlich mit dem Thema Manipulation, Narzissmus und Drogensucht. Und ich wusste intellektuell so halbwegs, wo ich stand, doch die Angst vor ihm war grösser.

Die langsam wachsende Klarheit gab mir noch immer keinen klaren Blick auf Auswege und Möglichkeiten. Trotz all der Informationen war ich wie vernebelt und gleichzeitig fühlte ich, wie mir das Wasser bis zum Hals stand. Es war ein Gefühl, als ob ich um mein Leben kämpfen müsste, um nicht unter zu gehen, ich mich aber nicht fokussieren konnte.

Ein heftiger Streit liess mich schliesslich so wütend werden, dass ich endlich die Energie fand um das zu tun, was ich schon lange wollte: raus, weg und irgendwo anders wieder frei atmen können.

Und ich hatte Glück. Einen Glücksfall nach dem anderen: wurde von einer Gemeinschaft zum Mittagessen eingeladen, konnte bei einer Freundin ein Zimmer und Auto haben, bekam Geld geliehen und meine Bekannten unterstützten mich so gut sie konnten, wurden zu lebenslangen Freunden.

Ich ging zur kostenlosen Suchtberatung und fand noch mehr Antworten, konnte meine Verantwortung für ihn und seine Probleme an seine Familie abgeben. Das war eine der wichtigsten und emotional intensivsten Momente. Als ich da mit seiner Schwester sass und ihr schilderte, was tatsächlich Sache war. Monsieur „Ich verdiene ja so gut“ hatte ein gravierendes Problem mit Cannabis, was mir die Experten bestätigt hatten. Nicht ICH war das Problem. Ha!

Trotzdem blieb mir die Angst wie ein Schreckgespenst im Nacken. Obwohl ich therapeutisch und energetisch arbeite, habe ich nach vielen Jahren noch immer nicht alle Angstgefühle abgelegt. Und das ist vielleicht auch normal oder zumindest verständlich.

Ich merke allerdings auch wie leicht ich heute wieder in dieses Duckmäuser-Haltung zurück fallen könnte, selbst wenn ich mich dagegen sträube. Es kostet mich viel Anstrengung mich wieder zu konzentrieren und meinen Verstand wieder auf Selbstbestimmung zu polen.

Raus aus der Opferrolle, die wir so lange miteinander geübt hatten.

Und trotz all dieser schwierigen und schweren Momente, bin ich unglaublich dankbar für diese Erfahrungen. Heute kann ich darüber schreiben, Tipps geben und verstehe. Ich verstehe wie man in so eine Situation gerät, warum es so schwierig ist sie zu verlassen und ich verstehe sogar die Verursacher der ganzen Misere. Deshalb blogge ich oft über Randthemen des Narzissmus, die Verständnis schaffen, aber auch Lösungen und Alternativen aufzeigen.

Ich wünsch euch allen ganz viel Bewusstsein und Verständnis für eure Geschichte, damit ihr auch vom Leben lernt und auch lernt wie besser damit umgehen.

Damit ihr weise Frauen werdet, oder „Grandmothers“ wie es bei den Indianern heisst. Zu den Menschen, die auch schwere Erfahrungen in tiefe Weisheit und Mitgefühl verwandeln und zum wahren Schatz ihres Stammes werden.



Alles Liebe, Susanna

Post Author: Susanna

5 thoughts on “warum ich gegangen bin

    Corinne

    (30. Oktober 2018 - 19:14)

    Liebe Susanna.
    Egal wie schmerzhaft das alles ist, du sprichst das wundervolle Potential in dieser ganzen Misere an.
    Die Dankbarkeit über diese tiefgreifenden und schwierigen Erfahrungen, lässt einen wunderbaren Schatz wachsen, in Form von neuen Chancen und Weisheit. Danke.
    Liebe Grüsse Corinne

    Sabrina

    (30. Oktober 2018 - 22:00)

    Nicht alle Narzissten sind unheilbar.

    Doch um mich selbst zu befreien, habe ich irgendwann angenommen, dass ich ihn nicht heilen kann.

    All die Jahre zuvor opferte ich mich, um ihn zu heilen, nur um sein Herz zu berühren, auf dass es das meine liebend umarme.
    Ich glaube immer noch an die Kraft der Liebe. Zum Glück, habe ich zu Beginn unserer Beziehung gleich erwähnt, dass ich einen Mann, der mich schlagen würde sofort verlassen würde.
    Unsere Anziehung war stark. Er ist genau der Mann, den ich mir gewünscht hatte, stark nach außen, perfekt, gut aussehend, begabt, fleißig, eigensinnig, Entscheidungen treffend, wiederaufstehend…..
    Ich fühlte mich richtig, sicher und geborgen.

    Ich erkannte im frühen Verlauf, dass ich keine Freunde mehr wollte, hatte keine Zeit mehr… und stellte es zunächst nicht in Frage.
    Wir zogen schnell zusammen und dann begann es….
    Ich wurde unbewusst abhängig von ihm.
    Im Nachhinein glaube ich nicht, dass er dies so geplant hat. Ich habe mich hingegeben.
    Ich war jung und sah mich selbst als fehlerhaft und tollpatschig neben ihm.
    Ich bin schon mit Ängsten vor meiner Zukunft in die Beziehung gekommen.glaubte nicht an mich…..war ich doch schon immer eine Träumerin und anders als andere..
    Mein Mann lebte einen Überlebensplan, der mich überzeugte.
    Doch er forderte Disziplin und absolute Ordnung und seine absolute Freiheit.
    Daran scheiterte ich oft…was zu verbalen Demütigungen führte..ich kämpfte weiter…um ihn.. für uns…
    Ich stellte mich immer wieder in Frage, ohne ihn anzuzweifeln.
    Wenn er wütend war, fühlte ich seinen Schmerz, der auch meiner war. UNGELIEBT.
    Also gab ich ihm aus Liebe alle Freiheit und bedingungslose Liebe.
    Immer wieder hörte ich zu, baute auf und tat was so ein gutes bürgerliches Leben versprach. Es versetzte mich in Sorge und Ängste Erwartungen von außen nicht gerecht zu werden.

    Ich wurde schwanger.
    Als ich während der Schwangerschaft einen Unfall hatte, war der Schaden am Auto schlimmer als mein Wohlergehen.
    Solche Situationen taten sehr weh. Ich weinte oft und fühlte, wie ich meine Seele verriet.
    Er sagte mal, Weine doch nicht immer, das steht dir nicht….Es war wie ein lebendiges Sterben.
    Ich setzte die Hoffnung in seine Vaterrolle.
    Und es zeigten sich Ressourcen.
    Es griff unterschwellig ganz langsam eine Art Selbstschutz bei mir.
    Zuerst gewöhnte ich mir ab in der trauten Zweisamkeit über andere Lebensstile herzuziehen.
    Ich habe meine Freiheit zu arbeiten trotz Kinder immer erkämpft und erhalten.
    Ich eignete mir positives Denken an, und verlor mich in Träumen von anderen Ebenen und erlaubte mir dies.
    Ich blieb tapfer, wenngleich ich oft unsicher war, weil er es oft nötig hatte mich zu mißachten oder klein zu machen.
    Die Kinder lieben ihn.
    Ich hörte nicht auf an ihn und seine wahren Talente zu glauben.
    Es gab depressive Zeiten, doch die Kinder gingen vor. Ich fühlte mich ihnen gegenüber schuldig ihnen eine stabile Familie zu bieten.
    Irgendwann funktionierte ich nur noch und mein Herz verschloss sich. Ich hatte nur noch die Erinnerung an Liebe und Freude und wußte: jetzt würdest du dich eigentlich so verhalten und jetzt würdest du so fühlen… es war traurig … es war grau….
    Mein Mann gab, was er geben konnte. Ich war dankbar für jede Kleinigkeit.
    Es war nicht immer leicht.
    Gerade im Bereich seiner Talente hatte er überhöhte Erwartungen an andere.
    Doch ich rappelte mich auf.
    Ich boxte mich in einer 100% Arbeitsstelle durch, organisierte alles und hatte Zeit für die Kinder…
    Bis zum Fast burn out…
    Ich arbeitete alles schriftlich auf.. ( das Thema Narzissmus kannte ich nicht) mein Leben.. meine Antriebe…meine Träume…. ich kam wieder zu mir und wechselte in den Job, der meinen Talenten entspricht….
    Das Leben spielte uns in die Karten.
    Wir sind beide fleißig und ich bin mit wenig zufrieden.
    Die Kraft der Liebe geht nicht verloren. Sie drückt sich bei uns einfach anders aus. Er ist ein Künstler der mich in Staunen versetzt.
    Nach Jahren erkannte ich bei einer Lapalie, die zu einem Wutausbruch führte, dass ich nicht die Ursache, sondern nur Auslöser seines Schmerzempfindens bin.
    Wir thematisierten die Scheidung.
    Ich war nicht bereit.
    Ich hatte Angst.
    Ich begann mich mit Narzissmus zu beschäftigen und erkannte, dass ich ein Conarzisst war.
    Eine neue Zeit….
    Ich kümmerte mich um mich.
    Meditierte, malte, schrieb Gedichte, traf mich mit Freunden, ging zur Massage, lachte viel und lernte meinen Wert neu kennen. Ich begann mir Hilfe zu holen. Wurde spiritueller, hatte weisende Wachträume, setzte mich mit Abhängigkeiten auseinander, veränderte Lebensgewohnheiten , lies altes los / gab es frei und stabilisierte meine Haltung. Was ich von nun an tat, tat ich aus Freude und ich teilte diese Freude.
    Eins griff ins andere und ich wurde von innen heraus auf neue Weise stark.
    Ich war mir nun sicher. Ich würde es schaffen und würde ich auch mit 0 Euro und nichts anfangen.
    Ich strahlte Stärke aus und fühlte mich auf eine besondere Weise erwachsen.
    Nichts macht mir seither Angst.
    Er wurde abweisender, reagierte gekränkt und zunehmend angespannt.

    Ein Mensch mit narzisstischem Verhalten kann sich nur selbst heilen.
    Es kann sein, dass er irgendwann seinen Schmerz, der meist die Angst
    (z.B. ich bin verlassen und wertlos) beschützt, erkennt und ihn loslässt. Wieviel Energie bringt so ein Narzisst auf, nur um als Wertvoll und besonders toll zu erscheinen ohne zu sehen dass er es wirklich ist?

    In mehreren Gesprächen sagte ich: Du weißt, dass ich nicht Ursache, sondern Auslöser bin. Die Ursache liegt in dir. Ich wollte ich könnte dich heilen, doch ich kann es nicht. Nur du allein bist dazu in der Lage. Ich sehe dich hinter deinem Schmerz und du bist wunderschön. Ich liebe dich. Erkenne wie liebevoll du kreierst. Du hast einzigartige Hände. Du bist konzentriert. Ich glaube an dich. Kein Tag war verschwendet.
    Ich habe viel von dir gelernt. Soweit sind wir gekommen, haben alles erreicht und stehen hier in neuer Größe und sehen uns immer noch in die Augen.
    Vor einem Jahr…..
    Er kämpfte, hatte mehrere Herzanfälle, war zeitweise organisch blind und mußte ins Krankenhaus und schließlich rief er die Trennung aus.
    Ich akzeptierte.
    Was dann geschah?

    Nichts…
    Unglaublich.

    Seine Geduld und sein Verständnis übertrifft mich immer wieder überraschend.
    Nichts abwertendes kommt mehr über seine Lippen. Er ist dankbar.
    Ich liebe ihn.
    Er liebt tiefer auf seine Weise.
    Wir sind frei.
    Er ist seitdem pudelgesund,
    Glücklich, lachend, erwachsen und wir genießen das Leben im gleichen Raum auf Augenhöhe……..
    Es ist so schön.
    Solange ich lieben kann liebe ich und mehr will ich nicht…

    Fatit: los lassen , neu ordnen, neu leben…nichts erwarten

    Ps: Keiner hat es verdient verletzt zu werden.
    Ich tolerierte dies, weil ich kein Vertrauen in meinen Wert hatte.
    Jeder ist unglaublich wertvoll und das sage ich weil ich es erfahren habe.
    Du bist es wert glücklich zu sein.
    Sei es.
    Alles Liebe
    Sabrina

      Susanna

      (30. Oktober 2018 - 23:19)

      Danke Sabrina!
      Danke für deine ergreifende Geschichte und deine liebevollen Worte.
      Danke, dass du so bist, wie du bist – grossartig!

    Monica

    (9. November 2018 - 10:21)

    Liebe Sabrina, liebe Susanna
    Ich bin tief berührt von euren Geschichten, und erkenne die Resonanz zu mir darin. Ich habe und erlebe ähnliches wie ihr, und wurstle mich durch den Tag, die Wochen und Jahre, übe mich in der Selbstliebe und im Stärken meines Selbst. Ich versuche bedingungslos zu lieben , wenn er mich verletzt, realisiere jedoch heute, er verletzt sich selber und verdrängt seinen Schmerz und seine Gefühle. Eigentlich bin ich in Gedanken schon lange auf und davon, aber wegen unserer Kinder bleibe ich, weil sie ihn lieben und ihm auch viel geben. Es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt Abschied zu nehmen. Jede Begegnung und jedes Gespräch ist eine Herausforderung, wieviel lasse ich zu, wo wende ich mich ab. Ich wachse jeden Tag und hoffe, dass wir uns eines Tages in Frieden trennen werden.
    Herzlichst Monica

      Susanna

      (10. November 2018 - 6:57)

      Liebe Monica!
      Du sprichst hier meiner Meinung nach etwas sehr wichtiges an: Es gibt für alles den richtigen Zeitpunkt und den kann man nur selbst bestimmen. Er ergibt sich und kann nicht erzwungen werden.
      Egal was Freunde und Familie oder Berater sagen.
      Man muss selbst spüren oder entscheiden, wann es an der Zeit ist etwas zu verändern.
      Danke und Alles Liebe,
      Susanna

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