Susanna BELLONI

die inneren Bodyguards

Es ist ja ganz faszinierend all die unterschiedliche Persönlichkeitsanteile in uns zu treffen. Da gibt es das Innere Kind, den inneren Kritiker, den inneren Arzt und noch viele, viele mehr. Gerade eben wurde mir klar, dass es da drinnen eben auch so etwas wie Bodyguards gibt.

Nein, ich meine nicht den Seelenwächter, sondern etwas Ähnliches mit sehr defensiven und manchmal sogar aggressivem Verhalten. Eine Art instinktive Beschützerrolle, die sich zeitweise völlig verselbstständigt und auch ziemlich herzlos agieren kann.

Diese Verteidigungshaltung ist manchmal anderen Leuten wie über das Gesicht geschrieben. Eine steinerne Mimik signalisiert sofort: „Ich lasse mich nicht verletzen und werde dafür bis zum Äussersten gehen.“ Ein Schutzprogramm, das völlig automatisch einsetzt, sobald wir uns unsicher fühlen oder uns in schwierigen Situationen befinden.

Doch Verteidigung ist der erste Schritt zum Angriff

Scheinbar ist uns nicht klar wie gewalttätig diese Verteidigungsstrategie eigentlich ist, denn es herrscht der Glaube, dass Schutz notwendig und unabdingbar ist. Dabei gehen wir manchmal bis zum Äussersten, aber noch viel schlimmer: wir opfern einen Grossteil unserer Lebensqualität und auch andere Dinge, die uns eigentlich sehr viel wichtiger sind. Dann geben wir ihnen die Schuld Frieden und Harmonie gestört zu haben, weil wir haben uns ja „nur verteidigt“ oder „mussten uns rechtfertigen“ oder etwas „klarstellen“.

unser Mainstream ist zwangsgestört

Voller Mitleid sehen wir auf Menschen, die sich zu ihren zwanghaften Ängsten bekennen. Begleiten Hanke Rakwicz im TV mit zur Therapie und schütteln ungläubig den Kopf, wenn sie nicht einmal einfach zur Tür hinaus gehen kann.  Dabei denken wir noch, wie gut es uns eigentlich geht – im Vergleich.

Wirklich?

Wir bauen leblose Sichtschutz um unseren Garten, Verstecken unsere Fettpolster unter Kleidern, sparen für schlechte Zeiten und kaufen teure Versicherungen, die keiner braucht. Dabei bestätigen wir uns noch gegenseitig, dass all dies notwendig ist und vernünftig. Hinzu machen wir Gesetze, die uns sogar zwingen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen und uns abzusichern.

Doch die Ängste kommen wieder, wir projezieren sie lediglich auf die Leute und Umstände, die wir nicht steuern können. Sie verschwinden also nicht, sondern verlagern sich lediglich auf all die unsicheren Faktoren des Lebens, die nichts kosten. Den „die Wirtschaft“ profitiert wunderbar von der gekauften Sicherheit, auch die Vorsorgeindustrie genannt. Man hat die Angst als beste Konsummotivation erkannt und arbeitet fieberhaft an Sicherheits-Produkten auch im Bereich Gesundheit. Nur dass sie leider immer nur kurzfristig wirken, denn genauso wie Statussymbole und Ego-labels, haben sie ein ziemlich schnelles Ablaufdatum.

Zurück zu uns selbst

Wer seine inneren Ängste erkennt und tatsächlich glaubt sie mit äusseren Handlungen auflösen zu können, der sitzt einem weiteren weit verbreitetem Irrtum auf. Das hat noch nie geklappt, zumindest nicht dauerhaft. Sie kommen wieder, in neuer Form, mit neuen Erklärungen und Beschuldigungen.

Was von Innen kommt, soll auch im Inneren behandelt oder gelöst werden.

Wenn es draussen regnet, dann nehme ich einen Schirm und kann mich schützen. Wenn ich aber plötzlich eine Angst verspüre etwas zu verlieren oder verletzt zu werden, dann kann ich nicht die Schuld im Aussen suchen, und daher auch nicht die Lösung dort finden. Sonst werde ich völlig handlungsgestört, genauso wie es uns Leute mit Zwangsstörungen verdeutlichen. Sie sind doch die besten Spiegel dafür, was sich in unserer verquerten Gedankenkultur abspielt.

Das heisst auch, dass diese Verteidigungsmechanismen und diese Schutzhaltung nur wenig Sinn macht, auch wenn sie im Ursprung noch natürlich und instinktiv auftauchen. Vielmehr gilt es die scheinbaren Feinbilder und die Interpretation eines Angriffes zu entschleiern. Denn genau da spielt uns unser Gehirn den ersten Streich. Nicht jedes böse Wort, nicht jedes Konflikthandlung hat zum Ziel uns zu bedrohen oder zu verletzen. Meist stecken dahinter einfach nur andere Ansichten oder Absichten.

Sobald wir erkennen, dass lediglich unser Gehirn diese angeblichen Gefahren produziert, können wir dem Produzenten eine neue Anweisung geben. Verständnis für andere ist extrem hilfreich, aber manchmal gar nicht möglich. Ausserdem beginnen wir auch dabei häufig negativ zu interpretieren oder werden überheblich, weil wir andere be- und verurteilen.

Besser ist es da dem Verstand klar zu machen, dass jeder seine eigenen Interessen hat und seine eigenen Sichtweisen, die wir gar nicht nachvollziehen können oder besser gesagt wollen. Er soll doch bitte die Perspektive wechseln und sich fragen:

  • was ist meine Herausforderung dabei, was kann ich jetzt üben? 
  • Wozu könnte mir diese Situation oder diese Gedanken jetzt nützlich sein?
  • Bin ich eigentlich noch dankbar für alles, was ich verlieren könnte?

Natürlich geht das nicht so in ein paar Sekunden, aber es wird mit jeden Mal leichter und klarer.

Es bleibt uns nämlich nichts anderes übrig, als uns selbst um unsere Art zu denken zu kümmern. Niemand wird uns diese Verantwortung abnehmen oder uns eine Schule anbieten, wo wir umlernen können.

Unsere Köpfe sind rund, damit das Denken die Richtung ändern kann“

Zurück zu den inneren Bodyguards, diesen Verteidigungstypen tief in mir, die mich mit aller Gewalt schützen wollen. Sie brauchen eine neue Aufgabe und ich hab für mich selbst eine gute Lösung gefunden:

Nachdem mir mein Spirit-Coach zugerufen hat „take a stand“ also „vertritt deinen Standpunkt“, musste ich den mal wiederfinden. Kaum gefunden fühlte mich alsdann wieder völlig bei mir und bei meiner objektiven Wahrnehmung. Einen Ort in meiner Mitte, den ich durch Zweifel und allerhand Grübeleien verlassen hatte.

Die Bodyguards dürfen jetzt rechts und links von diesem Platz stehen, damit nicht so leicht verlasse und mehr an mich glaube. Genau dort sollen sie auch stehen bleiben, damit ich merke wo ich wirklich hingehöre, wenn ich wiedermal „ausser mir bin“ oder „neben mir stehe“.

Funktioniert super!


 

Alles Liebe,

Susanna

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