Raus aus dem Co-Narzissmus

Hat man selbst erkannt, dass man es mit einem Narzissten zu tun hat, dann wird es nochmal komplizierter.

Die Herausforderung

Das tückische an der Situation ist, dass man einen Narzissten nur schwer entlarven kann, ohne selbst manipulative Verhaltensweisen an den Tag zu legen. Also sobald man die Dynamik durchschaut hat, beginnt man selbst mit genau den gleichen Strategien: Opferrolle, laut Skandal schreien, sich rächen wollen und sogar andere gegen ihn aufwiegeln. Im schlimmsten Fall versucht man ihn zu therapieren.

Das liegt zum einen daran, dass man sich diese Verhalten angewöhnt hat und zum anderen, dass sich das eigenen Denken jahrelang um diese andere Person gedreht hat. Diese mentalen Gewohnheiten können nur langsam und mit Anstrengung verändert werden.

Was du eigentlich willst, unter all der Wut und Trauer

Ausserdem will der verwirrte Verstand verstehen, was eigentlich los ist und wo man gerade steht. Er will ganz klar wissen, welche Verhalten akzeptabel und konstruktiv sind und welche nicht. Dazu prangert er selbst Missstände an, um sich einzubläuen, was er ablehnt und nicht sinnvoll findet.

Das Problem dabei ist, dass die Wiederholung der Ungerechtigkeiten sie noch grösser macht und emotional noch mehr belasten, auch das Umfeld. Also der Fokus liegt ständig auf dem Negativen aus der Vergangenheit, was durchaus eine Art der Vergangenheitsbewältigung ist, doch nur teilweise. Denn jeder will eigentlich an einen Punkt kommen, wo er mit dieser Vergangenheit Frieden schliesst, und sie hinter sich lassen kann, um wieder positiv nach vorne zu sehen.

Die Kurve kriegen hin zum Konstruktiven Denken

Der Ausweg liegt darin, wieder kreativ und selbstbestimmt denken zu lernen um nach vorne zu sehen. Das heisst, Kopfarbeit ist gefragt. Zum einen sollen die negativen, kritischen Gedanken verschwinden oder zumindest weniger Aufmerksamkeit bekommen.

Zum anderen soll man sich mental umtrainieren wieder an die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu denken. ( Empfehlung: Gewaltfreie Kommunikation von Marshall Rosenberg)

Das ist ein relativ langsamer Prozess, den die meisten durch Veränderung ihrer Lebenssitutation unterstützen. Aber auch alternative Vorbilder sind gefragt, sowie positive Einflüsse.

Eine Vision, eine Idee vom idealen Leben finden

Sich immer wieder vor Augen zu führen, wie das eigene Leben eigentlich sein sollte, ist einer der brauchbarsten Ratschläge. Dabei gilt es nicht traurig zu werden, dass es noch nicht so ist, sondern eine Vision für die Zukunft zu entwickeln. Mit diesem Ziel vor Augen lässt sich leichter ein Schritt nach dem anderen setzten und die Energie zu finden weiter zu gehen.

NB: wichtig an dieser Vision ist, dass man niemand anderen dazu verändern muss. Also alle „WENNS“ und „NICHT“ ausklammern oder umformulieren.

Auch spirituelle Erfahrungen und ganzheitliche Behandlungen, können sich sehr wirkungsvoll zeigen, wenn sie den Verstand Aussen vor lassen. Das Eintauchen in Traumbilder und wunderbare Emotionen, gibt Kraft und Motivation den eigenen Weg weiter zu gehen.

Herzensbildung

Und auch das Wiederentdecken der Inneren Werte hat sich als heilsam erwiesen: Ehrlichkeit, Würde, Respekt und Ehre sind Themen, die wesentlich tiefere Bedeutung haben und sich dann auch äusserlich in Taten zeigen. So bekommt jeder ein Gefühl und Anhaltspunkte dafür, wie er gerne sein möchte und was er gerne wieder in sich spüren möchte.

Es ist eine seht tiefe und sehr private Arbeit sich vom oberflächlichen Narzissmus wieder hin zu bewegen zu Charakterstärke und Konstruktivität, und vor allem zu Klarheit.

Selbstständigkeit und Selbstbestimmung wieder finden

Natürlich ist es sinnvoll Hilfe zu suchen und anzunehmen. Leider sind viele Psychotherapeuten damit überfordert, weil sie weder über Verständnis noch über Schulung zum Thema Narzissmus verfügen.

Das heisst selber ausprobieren, suchen und Schritt für Schritt seine eigenen Erfahrungen machen. Es gibt nämlich keine allgemeine Anleitung.

Und es ist auch befriedigender seinen eigenen Weg raus aus dem Dilemma zu finden und wieder selbstständig denken und urteilen zu lernen. Das sind die wertvollen Erfahrungen im Leben, die man dann anderen Hilfesuchenden als Tipps weiter geben kann.

Wie gehe ich weiter mit dem Narzissten um?

Wenn es möglich ist, dann sollte man sich von ihm entfernen und ihn möglichst ignorieren.

Man kann allerdings schlecht den Vater des Kindes, einen Lehrer oder einen Nachbarn einfach so völlig verlassen. Daher hier ein paar Tipps zum distanzierten Umgang:

1) Meide Konflikte und Konfrontationen

Ihn offen anzugreifen, ist nicht ratsam. Man wird ihn weder ändern können, noch manipulieren, noch dazu zu bewegen aufzuwachen und die Realität anzuerkennen. Sachliche Diskussionen haben früher schon kaum etwas gebracht und werden auch in Zukunft wenig nützen.

2) Sachte und vorsichtig mit Familie und Kollegen

Im ersten Moment ist der Drang da, ihn im Umfeld bloss zu stellen und zu entlarven. Aber das ist nur bedingt empfehlenswert. Natürlich macht es Sinn vorsichtig andere Betroffene anzusprechen und sich ein wenig auszutauschen. Einige haben allerdings noch nicht zu dem gleichen Schluss, wie du gefunden, also lass sie selbst nachdenken und sich ihren eigenen Reim machen.

3) Er geht dich eigentlich nichts an

Man könnte ihn provozieren, bis er sich derart hochschaukelt, dass seine Fehlverhalten offensichtlich werden. Doch das ist ein Glücksspiel. Schliesslich gibt es viele Leute, die sich seinem Kontrollverhalten beugen und man wird vielleicht beschuldigt Verursacher einer grossen Aufruhr zu sein. Tatsächlich ist es für dich wichtiger, mehr an dich zu denken und daran, was du aus deinem Leben machen möchtest. Sag der Rolle des Racheengels Lebwohl und wende dich den wunderbaren Dingen zu, die du dir vielleicht schon die längste Zeit entsagt hast.

4) Gelassen werden

Solange du selbst noch emotional bist, also wütend oder frustriert, wirst du keine keine gute Taktik finden. Also setzte alles daran dich zu entspannen, den Kopf zu ruhigen und dich um wirklich wichtige Dinge zu kümmern.

Der Narzisst wird ständig versuchen dich emotional zu provozieren und dich in sein Drama zu verstricken. Wenn du nicht mitspielst, dann wird er es noch stärker versuchen, dich wahrscheinlich „eiskalt“ nennen. Dann bist du auf dem richtigen Weg, dich nicht mehr manipulieren zu lassen!

5) elegant ausweichen

In der asiatischen Kampfkunst Judo – der Weg des Nachgebens, geht man folgendermassen mit einem Angriff des Gegners um: der Grossteil des Körpers weicht der Attacke aus, die Füsse bleiben aber aber fest am Boden. Damit man seinen Schwung nämlich dazu benutzen kann, ihn zu Fall zu bringen. Mit anderen Worten: er fällt durch seinen eigenen Angriff selbst aufs Gesicht, ohne, dass du viel dazu tun brauchst. Wie ein Bumerang fallen seine Attacken einfach auf ihn selbst zurück, wenn du nur ein wenig ausweichst und abwartest.

Das gelingt allerdings nur mit einem klaren Geist und gesunden Körper, wo man gelassen bleibt und stabil. Ist das also nicht mehr der Fall, dann ist es wohl ratsamer, sich erst gar nicht auf eine Begegnung einzulassen.

 

6) Worte, Redewendungen

Benutzt man den Narzissten als Rechtfertigung für Worte, auf die man nicht stolz ist, dann agiert man selbst narzisstisch. Auch wenn die Ausrede heisst, sich vor dem Narzissten beschützen zu wollen oder ihn entkräften zu wollen.

Wie also antworten, wenn der Narzisst wieder mit seinen Spielchen beginnt?

Nichts zu sagen, ist natürlich toll, aber oft schwierig. Hier einige Phrasen, die du im Umgang mit Narzissten verwenden kannst:

  • Es ist dein Problem, dass du das so negativ siehst
  • Ich kann deine falsche Sichtweise auf mich akzeptieren
  • Ich habe kein Recht dir zu sagen, wie du mich sehen sollst
  • Ich respektiere deine Ansicht, auch wenn ich sie nicht teile
  • Ich bin nicht für deine Wut/Traurigkeit verantwortlich

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Toi, toi, toi,

 

Susanna

Post Author: Susanna

2 thoughts on “Raus aus dem Co-Narzissmus

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