Susanna BELLONI

Urheberrechte von Texten im Internet

Dass Bilder rechtlich geschützt sind, ist bekannt, aber bei Texten liegen die Dinge komplizierter.

Ich habe vor einigen Jahren eine Aufforderung eines Anwalts bekommen, einen Text, den ich auf meiner Homepage verwendete, dem Autor „zu bezahlen“. Im ersten Moment hatte ich mich ertappt gefühlt, eine Beschreibungn kopiert zu haben und dachte die Klage wäre zurecht. Schliesslich kam sie von einem Anwalt, der sich auf das Internet-recht spezialisiert hatte.

Doch bei genauerer Recherche, wie die Rechtslage tatsächlich aussieht, verblasste mein schlechtes Gewissen recht schnell. Stattdessen wurde ich ärgerlich, dass Rechtsverdreher den Umstand ausnützen, dass Leute sich mit den Gesetzen wenig auskennen und vielleicht deshalb der Aufforderung für die Urheberrechte von Texten zu bezahlen tatsächlich folgen. In meinem Fall 4.000 Euro.

Es handelte sich bei dem Text um etwa 6 lange Sätze, nämlich einer blumigen Erklärung dafür, was Schamanismus eigentlich sei. Diesen Text hatte ich aus einem „Glossar“ einer Informationsseite entnommen und ich war nicht die Einzige. Die Verfasserin hatte am Ende ihres Glossar-Eintrags einen Link zu ihrer Homepage gesetzt, scheinbar um Werbung für sich zu machen. Ansonsten war nicht ersichtlich, dass sie ihre Worte in irgendeiner Form dem Kopierschutz unterstellte. Nun das hätte auch nichts genützt, denn übernommen werden dürfen Sacherklärungen und kurze Texte, die keine persönlichen Erlebnisse enthalten.

Zudem ist der Umfang und die literarische Qualität entscheidend, ob Urheberrechte angemeldet werden können. ( wird auch bezeichnet als Schöpfungshöhe und Schöpfungstiefe). Mit anderen Worten, der Text müsste schon recht lange sein, in etwa eine Buchseite und entweder inhaltlich oder sprachlich von besonderem Wert um von geistigem Eigentum zu sprechen. Aber auch kürzere Texte, die persönliche Erlebnisse und Erfahrungen enthalten, wie Reiseberichte oder Schilderungen von Eindrücken etc. sind urheberrechtlich geschützt.

Damals habe ich mich über die Schamanin ziemlich gewundert, die hier durch ihren Anwalt Anspruch auf geistiges Eigentum forderte, was jeglicher rechtlichen Grundlage entbehrte. Zudem im Text selbst von der geistigen Verbundenheit die Rede war und von tieferen Zusammenhängen. Also las ich mir ihre Beschreibung des Schamanismus noch einmal gründlich durch, und musste feststellen, dass mir ihr Text inhaltlich ohnehin nicht gefiel. Eigentlich hatte ich, wie vielleicht andere Leute auch, schnell einen erklärenden Text gesucht und ihn wegen seiner schönen, blumigen Ausdrucksweise genommen. Mit dem Vorsatz ihn bei Gelegenheit neu zu schreiben und zu ersetzten, was natürlich nie geschah.

Mein Fazit aus der ganzen Geschichte ist jedoch, dass ich mich jetzt schlau gemacht habe, über die gesetzliche Situation, was ich sehr positiv sehe. Ausserdem hatte ich in der Zeit der Unklarheit meine eigenen schamanischen Berater befragt und auch die gaben mir klare Information, die sich später bestätigte. Auch wieder ein Plus.

Lediglich die Frage, warum diese angebliche Schamanin zu einem Anwalt ging und von mir Geld erpressen wollte, blieb mir ein Rätsel. Ich sehe ihre Werbung noch ab und zu im Internet und sie kommt mir wieder in Erinnerung. Trotzdem fehlt mir bei ihr die Qualität der tieferen Verbundenheit und des Miteinanders, diese Wärme und Kraft, die ich bei vielen anderen schamanisch Arbeitenden verspüre. Hätte es sie wirklich gestört, dass ich ein paar Zeilen von ihr übernommen habe, hätte doch eine kurze Email gereicht und ich hätte den Text entfernt. Stattdessen versuchte sie mit ihrem Anwalt mich und andere abzuzocken oder bezahlen zu lassen. Aber vielleicht ist auch sie in diese Egofalle des Konkurrenzdenkens, des Mangeldenkens oder der Existenzangst getappt, wie so viele andere Selbstständige vor ihr.

Für mich bestand die Herausforderung in der ganzen Geschichte darin, ruhig und sachlich zu bleiben und im Vertrauen auf meine innere Stimme. Denn mein Ego hätte am liebsten laut heraus „Skandal“ geschrien oder zumindest den Anwalt bei seiner Kammer angezeigt. Und es ist noch immer schwer für mich mit dieser Frechheit gelassen umzugehen, ohne dabei ärgerlich zu werden oder etwas dagegen zu unternehmen.

☺™ Susanna Belloni © 2018 😉

 

P.S.: Ich habe den Namen der anklagenden Schamanin, absichtlich nicht genannt, weil ich mich dadurch dem Verdacht des Rufmordes ausgesetzt hätte. Also bitte passt auf, wenn ihr Leute namentlich erwähnt und etwas Problematisches über sie schreibt. Denn das kann der Betreffende als Anlass für eine Klage nehmen und einen endlosen Rechtsstreit hinter sich nach ziehen.

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