Susanna BELLONI

aus Metaphern werden Pseudo-Realitäten

Es ist schon schwierig für einen Neuling, sich in der Esoterik- Szene oder in spirituellen Kreisen zurecht zu finden. Es wimmelt da nur so von exotischen Begriffen, von Geschichten über die unsichtbaren Welten und dem Sinn des Lebens überhaupt.

Es würde viel zu weit führen, all diesen Geschichten auf den Grund zu gehen und sie in eine einfache und verständliche Sprache zu übersetzten. Doch es ist vielleicht an der Zeit mit mehr Vernunft die wesentlichen Grundlagen des Unsichtbaren zu verstehen.

Es geht darum das Ungreifbare begreiflich zu machen

Im Prinzip versuchen wir doch nur mit möglichst vielen Worten die Seele und ihre Eigenschaften besser zu begreifen. Wir wollen Energien, die eigentlich nicht greifbar sind, und deren Gesetzmässigkeiten in eine verständliche Ausdrucksform bringen, meist anhand von Bildern oder Gleichnissen.

Immer wieder erleben wir es allerdings, dass diese Bilder weiter gesponnen werden und sich zu komplexen Welten entwickeln, die zwar auf den ersten Blick faszinierend wirken, jedoch viele Widersprüche und Fragen auftun.

Da gibt es Seelenlehren, Karmatheorien und andere Dimensionen, die solange sie noch einfach gehalten sind, viele Fragen beantworten. Sobald sie allerdings weiter entwickelt werden, werden sie auch kompliziert und gehen auseinander. Heutzutage gibt es unzählige Vorstellungen darüber was eine Seele ist, wie sie sich entwickelt und was sie will. Genauso haben sich viele Leute auf unterschiedliche Art mit Karma beschäftigt und das schon seit Jahrtausenden. Dementsprechend viele abweichende und komplexe Erklärungen gibt es dazu.

Verlust des liebevollen Miteinanders durch Rechthaberei

Ich finde es auch ganz witzig, wie in Internetforen dann solche Begriffe diskutiert werden. Meist beginnt es damit, dass ein Newbie ganz naiv eine Frag stellt, wie zum Beispiel: „Was ist denn eine karmische Verstrickung?“ oder „Woran erkenne ich denn einen Schamanen?“. Meist endet dann eine monatelange Diskussion dazu mit einigen Disputen und sogar Beschimpfungen – ganz unspirituell.

Es ist jedenfalls festzustellen, dass es auch in der esoterischen Szene die Tendenz gibt sich „Spezialwissen“ anzueignen um damit anzugeben oder um sich damit zu erhöhen. Und das ist genau diese unsympathische und auch abstossende Entwicklung, die meist zu Religionskriegen untereinander führt und zur Diskreditierung der Esoterik in den Medien.

Natürlich sind wir alle auf der Suche nach Antworten und häufig landen wir dabei bei Büchern oder in Seminaren, wo uns solche weithergeholten Geschichten fesseln. Doch meist sind das nur kurzfristige Erlösungen, stellen wir dann einige Zeit später fest. Das Ego und der Verstand wurden mit Erklärungen beruhigt und wir konnten uns wieder besser fühlen. Wirklich nachhaltig sind die meisten Lehren nicht, denn irgendwann beginnen wir wieder selbstständig zu denken. Dann entdecken wir plötzlich Widersprüche oder es tauchen noch mehr Fragen als vorher auf und im schlimmsten Fall entsteht eine Abhängigkeit zu einem „Meister“.

Jeder muss sein eigenes Produkt auf den Markt bringen

Generell kann man feststellen, dass die einfachsten und vor allem die praktisch-anwendbaren Lehren, die besten sind. Deshalb gibt es sie auch zu Hauf. Aber auch hier haben sich die immer gleichen Grundprinzipien in tausende von leichtabweichende Techniken mit neuen Begriffen verwandelt. Das liegt sicher daran, dass der spirituelle Bereich eine Szene von Einzelkämpfern geworden ist, wo jeder seine eigene Technik und seine eigene Lehre publizieren möchte. Dabei werden noch mehr neue Wörter erfunden, sogar für völlig identlische Techniken oder Inhalte.

Auch neue phantastische Geschichten gibt es jedes Jahr wieder zu lesen oder zu hören und natürlich auch noch die alten. Im Prinzip kann man sagen, dass das Angebot spiritueller Seminare immer breiter wird und gerade für Neueinsteiger unüberschaubar. Gleichzeitig steigt aber die Qualität nicht unbedigt, auch wenn es die Absicht war, mit einem neuen Namen eine alte Sache von seinem negativen Image zu befreien und sie neu auf den Markt zu bringen.

Gerade die theoretischen und erklärenden Bücher und Seminare sind leider immer noch Recycling-Inhalte und strotzen nur so von der alten Negativität. Aber auch völlig neue Geschichten sind wieder so abstrus, dass sie für Normalos nicht brauchbar sind.

Weniger ist mehr

Natürlich haben sich auch einige sehr gute und moderne Autoren und Lehrer etablieren können, wie Bärbel&Manfred Mohr, Eckhart Tolle und Robert Betz. Wissenschaftler wie Dieter Broers, Rüdiger Dahlke und Hanspeter Dürr haben eine Brücke gebaut zu den spirituellen Interessierten. Sie sind noch in der Minderheit mit ihrem Anspruch Herz und Verstand in Einklang zu bringen und jeden sein selbstständiges Denken zu überlassen. Doch sie sind die Lehrer und Vortragende, die den Grundstein für Zukünftige andere legen, die auf ihre Erfolge weiter sinnvoll aufbauen können.

Was sie gemeinsam haben ist, dass sie sich einer sachlichen und logischen Sprache bedienen. Sie legen ihre eigenen Erfahrungswerte und Forschungen ihren Inhalten zu Grunde und bleiben authentisch. Ausserdem suchen sie nach einfachen Anwendungen um ihre Lösungswege jedermann zugänglich zu machen. Die Betonung liegt dabei auf dem Wort „einfach„. Denn wir wollen alle Klarheit und unkomplizierte Ansätze um unsere Herausforderungen zu meistern. Wenn diese Leute Geschichten und Metaphern benutzen, dann schlagen sie auch die Brücke zur Realität und verlieren sich nicht in irgendwelchen Pseudowelten. Daran erkennt man ihre Nützlichkeit und Sinnhaftigkeit.


 

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