Susanna BELLONI

GELD – eine Sache des Vertrauens

Aus irgendeinem Grund haben wir begonnen negativ über Geld zu sprechen, also vor allem anderen Leuten Geldgier und materialistisches Denken zu unterstellen.

Und tatsächlich hat der Club of Rome schon 1972 festgestellt, dass in einer Wohlstandsgesellschaft das Denken der Menschen immer materieller wird. Einem Spirituell-interessierten sollte jedoch bewusst werden, dass seine eigene Kritik an dieser angeblichen Geldgier, lediglich ein Spiegel der eigenen Gedanken ist.

Geld ist und war lediglich ein Tauschmittel.

Aber mal ganz ehrlich: was ist denn tatsächlich schlecht am Geld? Gar nichts. Es ist doch nur ein Mittel um nicht mit Eiern, Pfeffer oder Edelsteinen tauschen zu müssen. Tatsächlich läutete die Erfindung von Geldmünzen eine Befreiung der Gesellschaft ein, damit jeder mit jedem tauschen, als Handel treiben konnte. Also jeder Bauer war gleichberechtigt mit einem Kaufmann Waren auszutauschen und ein Edelmann konnte sich mit Geld Edelstahl aus anderen Ländern besorgen. Das war nicht nur unerhört praktisch, sondern es erfolgte auch ein Austausch über soziale und regionale Barrieren hinweg.

Zudem waren Münzen lange haltbar und leicht zu transportieren. Das scheinen wir vergessen zu haben, seit es Einzahlungsscheine, Onlinebanking und Kreditkarten gibt.

Auswüchse wie Schnäppchenjägerei, Sparpakete und Existenzängste sind auch Phänomene der Neuzeit. Viele vergessen, wie unser aktuelles Kommerz-System uns verleitet völlig zu ignorieren, was im Leben wirklich wichtig ist: ein konstruktives Miteinander.

GEBO – zwei Wege kreuzen sich

In der germanischen Kultur stand die Rune Gebo ( X ) einerseits für das Geben-und-Nehmen und andererseits auch für Freundschaft. Dies verdeutlicht noch einmal was der Handel untereinander eigentlich bringen kann. Ich kann dir das geben und du mir das, und durch diesen Tauschhandel entsteht eine vertrauliche Beziehung. Eine Win-Win-Situation würde man heute sagen. Doch der unpersönliche Handel mit Firmen und Organisationen hat uns das völlig vergessen lassen. Stattdessen haben sich im Umgang mit Geld schlechte Angewohnheiten eingeschlichen und häufig auch ein enormes Misstrauen einzelnen Menschen gegenüber. Die Integrität von Firmen hinterfragt man komischerweise selten, schliesslich steht ihre Moral im Alltag kaum zur Debatte. Lediglich profitorientierte Manager oder bestechliche Politiker werden kritisiert, also ferne Menschen, gegen die man nichts ausrichten kann.

Krasse Auswüchse, die uns eigentlich weh tun

Da gehen die meisten lieber in den Supermarkt, um die regionalen Eier billiger zu kaufen, anstatt direkt zum Bauern nebenan, wo man ihm einen fairen Preis zahlen könnte. Das ist doch irrwitzig!

Fairness und Vernunft haben keinen Vorrang mehr, wenn es um Geld geht. Schliesslich denken viele, sie hätten zu wenig, müssen sparen und haben Angst von anderen abgezockt zu werden. Dieses Mangeldenken und Misstrauen sind die wahren Übeltäter. Doch sie werden nicht entlarvt, weil der Kommerz einen Weg gefunden hat, sie gezielt auszunutzen. Durch Angebote, Schnäppchen, Versicherungen, und vieles mehr.

Auch im Zwischenmenschlichen wird es zunehmend unangenehmer Geld auszutauschen. Man fühlt sich peinlich berührt für nachbarschaftliche Gefälligkeiten eine kleine Banknote anzunehmen. Umgekehrt wiederum fühlt man sich ausgenützt, wenn man keine passende Gegenleistung erhalten hat.

Geld ist ein Problem, nämlich genau dann, wenn es wichtiger wird als andere Werte im Leben. Das geschieht häufig unbewusst und zwischendurch im Alltag, aber leider noch viel häufiger in Familien. Da zerstreiten Geschwister sich wegen der Aufteilung des Erbes. Partner trennen sich weil einer zu viel Geld für sich ausgibt. Langjährige Freundschaften gehen auseinander, weil einer sich vom anderen ausgenutzt fühlt.

Die Angst vom anderen materiell übervorteilt zu werden ist grösser, als das Bedürfnis harmonisch miteinander zu leben. Wie schade.

Geld trennt uns zunehmend mehr als es uns näher zueinander bringt

Wie schade, dass uns diese Negativität plagt, und wie schade, dass sie uns immer mehr in die Isolation treibt. Doch genau dieses Phänomen kann auch nur bestehen, solange der Einzelne für sich noch genug hat, dachte man 1972 noch. Reicht es nicht mehr zum Leben, dann ist er gezwungen sich wieder an andere zu wenden. Aber auch das haben wir entpersonifiziert und Behörden und Institutionen erschaffen, die Hilfesuchende wie eine Nummer behandeln.

Aus der einstigen Errungenschaft Geld, das uns näher zueinander gebracht hat, ist zunehmend ein unpersönliches Druckmittel entstanden, das Leiden schafft und Trennung. Denn wir haben das Misstrauen kultiviert, suggerieren überall Mangeldenken und haben völlig vergessen was Geld wirklich ist. Nur ein Mittel zum Zweck.

Wir brauchen vielleicht etwas Neues, Unschuldiges?  

Es ist wirklich an der Zeit einige dieser Missstände loszuwerden, doch das wird nicht ganz einfach werden, weil sie hauptsächlich in unseren Köpfen existieren. Dort aufzuräumen und wieder Vernunft einkehren zu lassen wird kein Leichtes werden, doch es ist machbar. Vor allem, wenn man sich unbedachten Äusserungen und dem Sensationspalaver der Medienlandschaft entziehen kann, gelingt es wieder einigermassen klar zu denken.

Dann können auch neue Lösungen gefunden werden und ein menschlicher Umgang mit dem Handel untereinander. Schliesslich sind einige schon auf die Idee gekommen den regionalen Handel zu stärken und Freude am Geldausgeben zu finden. Das wird aber nur ein Teil des Weges sein, den wir wieder entdecken und gehen sollten, um diese Wohlstandsgesellschaft endlich zu einer Wohlfühlgesellschaft zu machen.

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