Susanna BELLONI

Narzisst oder manipulativer Energievampir?

Manipulation ist gang und gäbe, aber woran erkenne ich, dass ich es mit einem echten Profi-Energievampir zu tun habe? Er wendet gerne verschiedene manipulative Strategien an, sei es Mitleid, Aggression, Rückzug oder Kontrollverhalten. Oft wechseln diese auch schnell von einem ins andere, bevor man es überhaupt merkt. Was man merkt ist, dass man sich nachher völlig erschöpft und schwach fühlt.

Sehr extrem für einen sogenannten Energievampir ist der Narzisst, der sogar völlig unbemerkt die Familie tyrannisiert, ohne, dass das Umfeld etwas mitbekommt. Zur Zeit treten vermehrt wissenschaftliche Berichte über narzisstische Persönlichkeitsstörungen in den Medien auf. Es sei sogar die am stärksten verbreitete, psychische Krankheit laut WHO. Doch Narzissmus ist kein neues Phänomen, sondern wird schon seit Generationen innerhalb der Familie verbreitet. Jetzt erst wurde das Krankheitsbild klar erfasst, definiert und offiziell als Persönlichkeitsstörung anerkannt. Meist sind Männer davon betroffen, doch es gibt auch etwa eine Frauen-Quote von etwa 20% Frauen, die mit Terror das Zepter in der Familie schwingen. ( sogenannte Drachen, während die Männer meist als Tyrannen bezeichnet wurden.)

Hier eine Checkliste für dich, ob du es bereits mit so einem Narzisst zu tun hast und was er/sie mit dir macht. Es gibt natürlich Abweichungen in jedem Einzelfall, aber wenn du 15 der 20 Punkte im jeweiligen Block wieder erkennst, kannst du dir relativ sicher sein:

Typische Merkmale eines Narzissts bzw. Energievampirs :

  1. er/sie versucht dich zu kontrollieren und zu dominieren, er/sie gibt eine immer längere Liste an Verhaltensregeln für dich aus.
  2. er/sie verwendet irrationale und manipulative Verhalten um dich zu verunsichern, wie Kritik und Abwertung, Vergleich mit anderen.
  3. er/sie denkt selten lösungsorientert, sonder agiert in schwierigen Situationen unreif wie ein kleines, trotziges Kind.kkinski
  4. er/sie weicht in seinem Reden stark von der Realität und der Wahrheit ab. ( überzogene Übertreibungen, Lügen, Erfindungen, etc. )
  5. er/sie neigt zu Alkohol, Drogen oder Tablettenmissbrauch oder Betrug, was er/sie zu verheimlichen versucht.
  6. er/sie kann nicht längere Zeit alleine sein, aber viele Leute meiden seine/ihre Gesellschaft. Er/sie wird vielleicht sogar aus Gruppen ausgeschlossen oder zu einer unerwünschten Person erklärt.
  7. er/sie bringt andere dazu Verantwortung für sein/ihr Wohlergehen zu übernehmen ( schlechtes Gewissen, Schuldzuweisungen).
  8. er/sie ist immer ein Opfer, übernimmt kaum Verantwortung für sein Verhalten und den Konsequenzen daraus. Er/sie liebt Verschwörungstheorien und unterstellt anderen gerne Intrigen gegen seine Person.
  9. er/sie kann andere Leute schwer beeindrucken oder beruflich gute Leistungen erbringen, was angeblich beweist, dass mit ihm/ihr alles in Ordnung ist.
  10. er/sie polarisert stark: wirkt auf neue Bekanntschaften entweder charismatisch und interessant oder völlig abstossend.
  11. er/sie hat starke Stimmungsschwankungen, kann schnell und unerwartet explodieren. er/sie scheint überempfindlich zu sein, beinahe unberechenbar. er/sie kann ganz plötzlich sein Verhalten ändern und wieder sehr demütig und bescheiden auftreten, besonders wenn er/sie auf Fremde trifft.
  12. er/sie hat kaum gute Freunde, meist Zweckbeziehungen oder andere Narzissten, deshalb braucht er dich.
  13. er/sie spricht häufig negativ über andere und stellt sich selbst gerne als den/die Beste hin, hebt sich über alle anderen hinweg.
  14. er/sie will meist alle Aufmerksamkeit für sich und neigt sehr stark zu Eifersucht.
  15. er/sie zeigt kaum Einfühlungsvermögen oder tiefes Verständnis für andere, schon gar nicht für die Familie.
  16. er/sie spricht meist sehr oberflächlich und beinahe eitel – daher die Bezeichnung „Narziss“.
  17. er/sie hat manchmal kurze Momente der Einsicht, wo er seine Schwächen und Manipulationen auch eingesteht, aber natürlich anderen die Schuld daran gibt.
  18. er/sie hält sich für intelligenter als jeder Therapeut und weigert sich genauer bei sich hin zu sehen. Er/sie schafft es sogar in einer Psychotherapie den Therapeuten so sehr zu manipulieren und zu beeindrucken, dass dieser den Durchblick verliert.
  19. er/sie fühlt sich oft hilflos und ausgeliefert, nahe dem psychischen Zusammenbruch oder gar Suizid.
  20. er/sie kann niemandem wirklich vertrauen, wird angeblich immer ausgenutzt und weggeworfen. Freundschaften und Beziehungen halten meist nur kurz.

Der typische Co-Narzisst ( Mitspieler, Abhängiger, „Opfer“). Vielleicht du?

  1. Du möchtest Anerkennung und Unterstützung, am liebsten vom Narzisst selbst.
  2. Du fühlst sich verantwortlich für das Wohlergehen des Narzissts, kann ihn deshalb nur schwer im Stich lassen. ( du hast vielleicht ein kleines Helfersyndrom, also die Einstellung für andere da sein zu müssen.)
  3. Du fühlst sich total erschöpft nach Zusammensein oder Gespräch mit dem Narzisst ( schlechtes Gewissen, Schuldgefühle) ibergmann
  4. Du leidest immer mehr unter Verspannungen und Stress, kannst nur schwer den Kopf abschalten.
  5. Du spürst die Selbstkritik überdurchschnittlich stark, das eigene Selbstbild wird immer negativer, auch der innere Dialog.
  6. Du nimmst vermehrt Verwirrung und Orientierungslosigkeit wahr, weisst nicht mehr was du glauben sollst.
  7. Du spürst den rapiden Verlust von Selbstwertgefühl und beginnst sich immer mehr zu schämen.
  8. Du hattest schon in der Kindheit mit einen narzisstischen Verwandten oder Lehrer zu tun gehabt.
  9. Du hat selbst schon manipulatives Verhalten an den Tag gelegt und hat auch deshalb Schuldgefühle, vielleicht sogar das Gefühl Strafe verdient zu haben.
  10. Du denkst viel mehr an den Narzisst, als an dich selbst.
  11. Du hast dich verbogen („dich angepasst“) um es dem Narzisst recht zu machen, aber schaffst es immer noch nicht ganz.
  12. Du hast den Bezug zu dir selbst verloren, kannst deine innere Stimme kaum mehr wahrnehmen, fühlst dich wie neben dir.
  13. Du siehst kaum mehr Alternativen, bist wie blind geworden für alle Möglichkeiten des Lebens.
  14. Du spürst viel Angst, vor allem wenn es darum geht eigene Entscheidungen zu treffen.
  15. Du hast häufig psychosomatische Schmerzen in Magen, Galle und Darm.
  16. Du wirkst auf andere wie nach einer Gehirnwäsche, hast dein Licht und deine Lebensfreude zunehmend verloren.
  17. Du verzichtest auf berechtigte Wünsche und Träume, opferst sie der Beziehung zuliebe.
  18. Du möchtest gerne der ganzen Welt erzählen, wie schlimm der Narzisst in Wirklichkeit ist, fühlst sich aber danach elend und voller Schuld oder Scham.
  19. Du gibst dir selbst mehr Schuld an deiner Situation, findest aber nicht die Kraft und den Weg, um dich daraus zu befreien.
  20. Du machst dir selbst Vorwürfe, warum dich noch immer nicht vom Narzisst getrennt hast.

Aussichten auf Heilung?

Die Heilungschancen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung sind sehr gering, einerseits weil der Narzisst sich nicht ehrlich einer Therapie hingibt, andererseits weil er häufig gar nicht anerkennt, dass er psychologische Hilfe braucht. Beginnt er tatsächlich eine Therapie, so wird diese bald abgebrochen oder Therapeuten nach Strich und Faden manipuliert.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich auch berichten, dass viele Psychologen mit dem Phänomen Narzissmus wenig vertraut sind und auch nicht gut umzugehen wissen. Experten sind Mangelware, die üblichen Praktizierenden sind scheinbar auf das Thema weder sensibilisiert noch geschult. Ich habe sogar bei einem Paartherapeuten erlebt, dass er mir Schuld an dem Verhalten meines narzisstischen Partners geben versuchte. Später erfuhr ich, dass Paartherapie ohnehin ziemlich sinnlos ist, weil der Narzisst sich in einer völligen Scheinwelt befindet und sich aus allen schwierigen Situationen durch Lügen windet.

Deshalb fokussiert sich die Anstrengung der Therapeuten auf die Opfer, weil bei denen ein stärkerer Leidensdruck und daher eine grössere Bereitschaft etwas zu ändern vorhanden ist. Die grösste Herausforderung dabei ist zu erkennen, in welcher Situation man sich befindet und sich von dem Tyrannen zu befreien, also auch räumliche Distanz zu suchen. Das Wort „Opfer“ ist in diesem Fall zwar zutreffend, allerdings der weiteren Lösung nicht zuträglich. Vielmehr muss man selbst erkennen, was man zu einer Situation beigesteuert hat, und wo die eigene Macht liegt sein Leben wieder in die Hand zu nehmen.

Man kann den Zustand eines Co-Narzisst wirklich mit einem Sektenopfer vergleichen. Jahrelange emotionale Manipulation gepaart mit Gehrinwäsche und Angstmache. Selbst erkennt er nur wie schlecht er funktioniert, aber er hat viel Selbstvertrauen und Durchblick verloren.

TIPPS zum AUSSTIEG und zur ABLÖSUNG:

  1. Informiere dich und werde dir klar darüber, wie deine jetzige Situation objektiv aussieht. Entdecke die Wahrheit.
  2. Mach dir ein inneres Bild davon, wie dein Leben eigentlich aussehen könnte, wenn es nach dir geht, ohne dieser Diktatur.
  3. Erkenne deutlich die Motive, warum du dich nicht leicht aus dieser Beziehung lösen kannst, schau nach Innen.
  4. Mach dir keinen Druck die Beziehung zu beenden, sondern sieh einfach genauer hin und beobachte. Lass dich einfach intuitiv handeln.
  5. Such dir Unterstützung bei Leuten, die Ähnliches durchgemacht haben und dir helfen können Klarheit zu bekommen.

Ist die Trennung einmal vollzogen, dann braucht es noch Zeit und Geduld um all die unguten Angewohnheiten umzulernen: Angst, Schlechtes Gewissen, Schuldgefühle, Verantwortung für den anderen, Scham und vor allem das negative Selbstbild.

Dazu eignen sich Gesprächstherapien, aber auch Selbsterfahrungs-Workshops oder künstlerische Betätigungen. Alles was dich näher zu dir selbst bringt und raus aus all den stressigen Gedanken. Mit genügend Distanz zu deinen negativen Gedanken kannst du sie dann nämlich auch ändern und loslassen.


Hier noch ein paar gute Artikel und auch Hilfestellungen im WWW:

Umgang mit Narzissten – Narzissmus als Chance

Töchter narzistischer Mütter

So entkommen Sie dem Psychoterror der Narzissten


Selbsthilfe Buchtipp

Ein weiterer heisser Tipp ist Marshall M. Rosenbergs Gewaltfreie Kommunikation, die weniger mit dem Vokabular, sondern vielmehr mit dem Einhalten von Respekt und Grenzen zu tun hat.

Sie fordert eine Art Umdenken: Was sind meine eigenen Bedürfnisse? Wie kann ich sie selbst erfüllen? Wie kommuniziere ich sie respektvoll einem anderen? Habe ich das Recht auf die Erfüllung dieser Bedürfnisse? Wie mache ich mich meiner Umwelt sensiblel verständlich?

Hier gehts zum Buch:
Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens von Marshall M. Rosenberg


 

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