Susanna BELLONI

sich abgrenzen – aber bitte richtig …


Ich bin mit diesem Ausdruck „sich abgrenzen“ sehr vorsichtig, denn es stellte sich heraus, dass es dafür zwei ganz unterschiedliche Auffassungen gibt. Die eine davon ist absolut empfehlenswert und positiv, die andere leider gerade das Gegenteil. Grund genug sich mit diesem weitverbreiteten Ratschlag, den man beinahe an jeder Hausecke angeboten bekommt, genauer auseinander zu setzen.

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Nicht einmischen – ist ja klar!

Womit ich absolut einverstanden bin, ist zu erkennen wo mein Verantwortungsbereich aufhört und wo der des anderen anfängt. Das ist gar nicht so einfach, vor allem nicht im Familien- und Freundeskreis.

Ein Beispiel: Eine liebe Freundin liegt gerade sehr krank im Spital und ich würde gerne Himmel und Hölle in Bewegung setzten um ihr zu helfen. Doch ich kann nicht viel tun. Gute Ratschläge braucht sie natürlich auch keine, sie weiss selbst genug, kommt aber aus ihrem Dilemma gerade nicht heraus. Es würde ihr auch gar nicht recht sein, wenn ich wegen ihr traurig oder frustriert bin.  Wie lasse ich mich jetzt von dieser Situation nicht hinunter ziehen?

Indem ich erkenne was ich tun kann und was nicht. Indem ich respektiere, dass dies nun mal ihr Schicksal ist und unbedingt zu ihrem irdischen Lernprozess gehört. Indem ich darauf vertraue, dass alles richtig kommt.

Hilf mir die Dinge zu ändern, die ich ändern kann und zu akzeptieren lassen, die ich nicht ändern kann. Gib mir die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden.

 

( Gelassenheitsgebet vom Hl. Franz von Assisi)

Trotzdem hatte ich das dringende Bedürfnis irgendetwas zu tun. Nach einiger Überlegung habe ich ihr dann eine Karte geschickt, das war nämlich das einzige was mir eingefallen ist. ( Besuch ist nicht möglich, auch nicht telefonischer Kontakt)

Das ist ein relativ einfaches Beispiel dafür, wie ich mich abgrenze von ihren Problemen und sie nicht zu meinen eigenen mache. Würde ich das nämlich tun, dann wäre ich machtlos, denn schliesslich ist es ihr Leben und ihre Verantwortung.

Zugegeben ist dies umso schwieriger umso näher einem der andere Mensch steht und die grösste Herausforderung sind da die eigenen Kinder. Oft erleben wir ja auch, dass der andere, den wir gerne „anders haben wollen“ einen gravierenden Einfluss auf unsere eigene Lebnssituation haben.


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Sich abschotten 😕

Viele verwechseln dieses Abgrenzen mit einem völligen Rückzug sogar verbunden mit einer Schutzmauer anderen gegenüber. Das hat ziemlich destruktive Nebeneffekte. Nämlich beginne ich mich einerseits einsam zu fühlen, andererseits werde ich relativ unempfindlich für positive Impulse von Aussen. Zudem nehme ich eine relativ feindselige Haltung anderen gegenüber ein, denn ich erwarte ja beinahe etwas Schlimmes oder sogar einen Angriff. Es ist einfach unsinnig und macht nicht viel Spass.

Diese Isolation hat absolut keine Vorteile, sondern nur Nachteile. Sie bringt diese Haltung von Trennung und Kampf in unser Leben. Wer meint so leben zu müssen, dem entgeht der Blick für die Synchronizitäten, die Zeichen und Zufälle, die das Leben dir schickt. Stattdessen regiert die Angst vor weiteren unerfreulichen Ereignissen.

Alles beginnt mit den Gedanken, dass wir allein für uns kämpfen und sorgen müssen. Aber ist das wahr? War es denn jemals wirklich so, oder waren wir vielmehr eingebettet in eine Dynamik von Ereignissen und Menschen, die uns haben wachsen und lernen lassen? Kann es sein, dass wir oft gar nicht sehen, wie viele helfende Hände sich uns entgegen strecken?


Wie kann ich mich dann schützen?

Die Aufmerksamkeit auf sich selbst richten! Das klingt so einfach ist aber ziemlich schwierig. Trotzdem ist es der vernünftigste Weg wie ich die Probleme anderer nicht zu den meinen mache.
Studiere ich nicht mehr daran herum wie ich den anderen ändern kann, sondern schaue ich in mein Inneres, dann entdecke ich dort allerhand belastende Emotionen, die Aktion von mir fordern. Ihre Grundlage sind oft Verlustängste, Schmerz, Ratlosigkeit oder Trauer.

Es gilt also sich vor Augen zu führen, dass diese unangenehmen Gefühle keine guten Ratgeber sind, sondern mich oft überstürzt und unvernünftig handeln lassen. Ich fühle mich dabei gestresst und beinahe kopflos. Manchmal handle ich wegen ihnen genau so, wie ich nie sein wollte.
Wie also umgehen mit diesem emotionalen Stress, der da im Inneren brodelt?

Strategien dazu finden oder selbst entwickelnmuenchhausen
Folgende Prinzipien habe ich für mich erkannt und halte sie mir immer wieder vor Augen, um wieder Ordnung in meine Gedanken zu bringen:

  1. Diese unangenehmen Gefühle sind meine eigenen und gehören völlig zu mir.
    Ich übernehme Verantwortung dafür.
  2. Ausserdem bin ich es, der diese Gefühle zu ändern vermag, durch meine Gedanken.
    Ich bin ein Teil der Lösung, ich habe Macht.
  3. Was denke ich gerade und macht das wirklich Sinn? Entspricht es der Wahrheit?
    Ändere ich meine Sicht, meine Gedanken, dann kann ich akzeptieren.
  4. Ich kann immer etwas tun, das eine Situation positiv verändert.
    Meine Handlungen sollten direkt aus dieser Motivation und aus dem Herzen kommen, dann fühle ich mich auch zufrieden mit mir selbst.
  5. Wenn das Leben dazu da ist um zu wachsen und zu lernen, dann sollte ich das tun.
    Ich lasse meine Erwartungen und Vorstellungen los. Ich nehme die Haltung eines Beobachters und Schülers ein.

Die einzige sinnvolle Lösung ist also mir selbst zu helfen, meine Gedanken zu managen, mich wie Münchhausen aus dem eigenen Sumpf heraus zu ziehen, anstatt mich vor dem Leben schützen zu wollen. Dinge passieren und sie passieren immer aus guten Grund. Die Herausforderung ist wirklich zu lernen wie ich mit ihnen umgehen kann und sie akzeptieren zu lernen.


P.S.: Ich habe auch einige Techniken gefunden, die sehr hilfreich sind und die ich häufig benutze:

  • The Work of Byron Katie
  • gewaltfreie Kommunikation ( Marshal M. Rosenberg)
  • Nie mehr ärgern ( Vera Birkenbihl)

Literatur und DVDs dazu findet ihr in meinen Buchtipps

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