Susanna BELLONI

Zahlenseuche greift Gehirn an!

zahlenEgal ob Gewicht, Kontostand oder Uhrzeit, ständig ertappe ich mich, wie ich mich durch diese Zahlen stressen lasse.
Zu spät, zu früh, zu dick, zu dünn, zu wenig, zu viel – so ein elender Unsinn!!!

Dabei fällt mir ein wie ich es mir schon als Kind angewöhnt habe mit der Uhrzeit meine geheimen Spielchen zu treiben: wer ist am schnellsten umgezogen? wer ist als erster fertig mit essen?
Erster sein wird hoch angesehen in der Schule, besonders beim Sport, aber genauso beim Rechnen oder wenn etwas verteilt wird.

Es beginnt der Erfolgsdrang schon sehr früh und jedem ist klar, dass nur der „frühe Vogel“ den Wurm fängt, nur gesund ist wer Idealgewicht hat und man pünktlich wie ein Uhrwerk zu sein hat. Ausserdem muss man seine Rechnungen zahlen können und finanziell unabhängig sein, um nicht ein verabscheuenswerter Schmarotzer zu werden.
Oder es wird einem klar gemacht. Immer und immer wieder.

Doch Irgendwann werden wir wie selbst gehetzt von unserer Jagd auf Zahlen. Sie bringt Frustration, Neider und hyperaktive Hirnfunktionen, die uns nicht mehr abschalten lassen.
Wer gar nicht mehr damit klar kommt, dem schickt der Körper dann eine Warnung in Form von Burnout oder Depressionen.

Im besten Fall folgt darauf ein grosses Erwachen, dass genau diese Zahlen gar keine Lebensqualität bringen, gar nicht glücklich machen. Der tolle AHA-Moment dauert unterschiedlich lange an, denn viel zu gross sind die Verlockungen mit der breiten Masse wieder mit zu laufen. Sich wieder der Schafsmentalität hinzugeben, wo man nicht selbstständig denkt, sondern anderen glaubt und ständig dem Glück hinter her hechelt, wie einem Hirten der Erlösung verspricht.

 

zahl2Diese Messbarkeit mit Zahlen ist gerade in der momentanen Unternehmenskultur beinahe schon zum Kult geworden. Ständig gibt es Vorgaben und Leistungs- evaluierungen. Solls die erfüllt werden müssen und willkürliche Bewertungen von Vorgesetzten.
Telefongespräche werden da aufgezeichnet und ausgewertet, oft nur nach Länge und gar nicht nach Qualität. Eine Fastfoodkette soll sogar die Anzahl der Schritte, die ein Mitarbeiter machen darf begrenzt haben, natürlich unabhängig von der Grösse der Person.

Warum machen wir einander so verrückt mit diesen Zahlen? glauben wir wirklich etwas Sinnvolles messen zu können?
Wie sehr liebst du dein Leben und wie glücklich bist du – auf einer Skala von 1 bis 10? Damit haben die Amerikaner angefangen und genauso wie mit ihrer Atombombe gar nicht gewusst, welchen Stein des Unglücks sie damit ins Rollen gebracht haben.
Wir sind alle „Zahlenverseucht“ und – Achtung – diese Seuche ist gerade so ansteckend wie die Radioaktivität.
Einzige langfristige Heilungschance ist nur durch Aufwachen möglich und sich immer wieder aus diesem Irrsinn heraus holen!

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